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Geschichte
Pit und Pia jagen dem Meer hinterher

In ihrem Urlaub an der Nordsee lernen die Geschwister, was Ebbe und Flut bedeutet – und warum es gefährlich ist, ins Watt zu gehen. Von Elke Bräunling

Endlich hatten die Sommerferien begonnen und Pia und Pit fuhren mit ihren Eltern zum Urlaub an die Nordsee. Auf der Halbinsel Nordstrand wohnten sie gleich hinter dem Deich in einem kleinen Fischerhaus. Das fanden Pia und Pit besonders toll. Man musste nur auf den Deich laufen, und schon sah man das Meer. Oder auch nicht. Zweimal am Tag nämlich zog sich das Wasser zurück und machte einer Landschaft Platz, die wie eine riesige Matschwüste aussah.


Das ist das Watt, lernten Pia und Pit. Man sieht es bei Ebbe. Kommt das Wasser, so nennt man es Flut. Ebbe und Flut – das nennt man dann auch Gezeiten. Das war alles neu für die beiden Landratten. Sie hatten zwar davon gehört, aber so richtig hatten sie sich das mit den Gezeiten nicht vorstellen können. Und deshalb begann der Urlaub für die Geschwister auch gleich mit einer Enttäuschung.

Während ihre Eltern noch die Koffer auspackten, rannten Pia und Pit mit ihren Badesachen über den Deich zum Strand. Das Meer aber war verschwunden, denn es war Ebbe und das Watt lag vor ihnen. Ratlos sahen sich Pia und Pit an. „Wann kommt das Wasser denn wieder?“, fragte Pia. „Keine Ahnung.“ Pit war sauer. „Und was machen wir nun? Auf die Flut warten?“ Pia zuckte mit den Achseln. „Gehen wir eben ins Watt und suchen Muscheln!“, sagte sie.



Vorsichtig betrat sie den Wattschlamm. Gleich sanken ihre Füße ein paar Zentimeter ein. Seltsam fühlte sich das an. Weich und irgendwie auch kitzelig. Pia verlor ihre Scheu und tappte ein paar Schritte ins Watt hinein. Es machte ihr großen Spaß, mit nackten Füßen im Schlamm zu waten. „Toll ist das!“, rief sie Pit zu. „Komm! Wir laufen dem Meer hinterher!“ Pit zögerte jedoch. Es ekelte ihn ein bisschen, barfuß das Watt zu betreten. „Warte“, rief er. „Ich hole meine Gummistiefel. Dann suchen wir das Meer.“

„Oh, nein, ihr beiden! Das lasst ihr mal hübsch bleiben!“ Das war der alte Fischer aus der Ferienpension. „Ihr dürft niemals alleine ins Watt gehen“, sagte er. „Das ist leichtsinnig und sehr, sehr gefährlich, hört ihr?“ – „Leichtsinnig? Warum?“, fragte Pit, und Pia meinte kleinlaut: „Das ist doch nur Schlamm, oder?“ Doch der alte Fischer schüttelte den Kopf. „Wenn die Flut kommt, ist das Watt sehr gefährlich.“ Dann erzählte er den Geschwistern gruselige Geschichten von Menschen und Schafen, die sich im Watt verirrt hatten und nur mühsam gerettet werden konnten. Für einige kam sogar jede Hilfe zu spät und sie sind ertrunken. Genau hier vor der Insel.

Ohje – so gefährlich war es hier? Das konnten sich die beiden Landratten fast nicht vorstellen. Erschrocken sahen sie den alten Mann an. Der schmunzelte nun. „Im Watt kann es aber auch sehr spannend sein. Es gibt nämlich viel zu sehen. Auch Schätze und Geheimnisse hält es bereit.“ Schätze und Geheimnisse? Die Geschwister waren plötzlich ganz aufgeregt. „Zeigst du uns das Watt?“, fragte Pia schnell und der Fischer nickte. „Gleich morgen früh, einverstanden?“ – „Einverstanden!“, riefen Pia und Pit, und Pit fügte leise hinzu: „Und dann finde ich einen richtigen, großen Schatz da draußen, wetten?“