Pariser Untergrund: „Das Phantom der Oper“ als opulenter Comic

Pariser Untergrund: „Das Phantom der Oper“ als opulenter Comic

Christine Daaés Stimme schallt über die Bühne, sie singt die Margarethe aus Charles Gonouds "Faust". Hingerissen lauscht ihr der junge Raoul, Vicomte de Chagny, dieweil im Zwielicht der Kulissen ein Bühnearbeiter erdrosselt wird.

Es geht das Gerücht, das "Phantom der Oper " sei es gewesen, das vor Mord nicht zurückschrecke, erfülle man seine Wünsche nicht.

Diverse Verfilmungen und Bühnenbearbeitungen haben die Popularität der Schauergeschichte des französischen Schriftstellers Gaston Leroux ausgekostet, 1909 erschien "Das Phantom der Oper " erstmals als Fortsetzungsroman in der Zeitung "Le Gaullois". Die Story erzählt vom entstellt unter der Pariser Oper lebenden Phantom. Die von ihm protegierte Sängerin Christine will es gefeiert und gleichzeitig als seinen alleinigen Besitz sehen.

Christophe Gaultier hat eine Graphic Novel daraus gemacht; besonders gelungen ist die Kolorierung von Marie Galopin, sie arbeitet mit einem Arsenal gedeckter Gelb- und Grautöne. Herausragend sind die Szenen mit Christine und Raoul auf dem Operndach, wo sie ihm ihr Geheimnis verrät, aber vom rachsüchtigen Phantom belauscht wird. Vor allem Gaultiers Gebäude und düstere Landschaften besitzen Ausdruck und Dynamik; bei den Gesichtern der Figuren stört aber eine fast schablonenhafte Undifferenziertheit, das Phantom mit seinem Knochengesicht kommt noch am besten weg. Kutschfahrten und schnaubende Pferde gelingen deutlich besser. Trotzdem, diese Graphic Novel fängt den Kern der Geschichte ein.

Christophe Gaultier: Das Phantom der Oper . Knesebeck, 111 Seiten, 22 Euro.