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Zuwanderung
Im Jahr 2017 kamen 1,39 Millionen Ausländer nach Deutschland

Migranten in Deutschland (Symbolbild).
Migranten in Deutschland (Symbolbild). FOTO: dpa / Swen Pförtner
Über wenig wird in Deutschland so viel gestritten wie über die Zuwanderung. Eine Studie listet die aktuellen Zahlen für 2017 auf. Derweil will Innenminister Seehofer Abschiebungen durch schärfere Regeln erleichtern.

In den vergangenen Jahren sind einer Studie zufolge viele Menschen nach Deutschland zugewandert - aber viele verlassen Deutschland auch wieder. Im Jahr 2017 kamen 1,39 Millionen Ausländer nach Deutschland, davon waren 850.000 EU-Bürger. Zugleich wurden rund 708.000 Fortzüge registriert. Das ergab eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. "Unterm Strich" blieben den Angaben zufolge damit hierzulande etwa 680.000 der Zuwanderer, wovon wiederum zwei Drittel aus EU-Staaten kamen. Die Nettozuwanderung habe seit 2014 jährlich kontinuierlich jeweils über einer halben Million gelegen.


Unter den Abwanderern sind laut IW besonders viele hoch qualifizierte Fachkräfte. Familien mit mehr als zwei Kindern kehrten dabei seltener zurück und ließen sich häufiger einbürgern - auch mit dem Wunsch, den Kindern eine Perspektive in Deutschland zu bieten.

"Die Zuwanderung von Fachkräften wird für Deutschland in Zukunft immer wichtiger, um die Folgen des demografischen Wandels am Arbeitsmarkt und bei den Sozialversicherungen abzumildern", sagte Wido Geis-Thöne, Autor der Studie. Mit Blick auf den demografischen Wandel sei es wichtig, nicht nur Fachkräfte aus dem Ausland zu werben, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie langfristig im Land blieben. Ein wichtiger Schritt dazu sei das Zuwanderungsgesetz für Fachkräfte sowie Programme, um Menschen in Deutschland besser zu integrieren.



Derweil will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Abschiebungen mit schärferen Regeln künftig erleichtern. "Anfang des Jahres werde ich der Koalition den Vorschlag unterbreiten, die rechtlichen Grundlagen für Abschiebungen und Rückführungen nochmals zu verschärfen", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung. "Wenn jemand abgeschoben werden soll, sollten wir ihn in Gewahrsam nehmen, damit er zum Zeitpunkt der Abschiebung nicht verschwunden ist." Dafür müssten jetzt die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden.

Es gehe auch darum zu verhindern, "dass sich Migranten etwa durch Identitätstäuschung und den Verlust der Papiere der Abschiebung entziehen", sagte Seehofer. Zum geplanten Maßnahmenbündel gehöre auch "die Kürzung von sozialen Leistungen".

Es bleibe zwar beim Grundsatz, dass wer asylberechtigt sei, in Deutschland Schutz bekomme, sagte der Bundesinnenminister. "Menschen, die nicht asylberechtigt sind, müssen das Land jedoch wieder schnell verlassen. Der Rechtsstaat muss durchsetzungsfähig sein." Die Bundesregierung müsse sich dem Thema "dringend" zuwenden.

(felt/kna/AFP)