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Wo Fußball am Sonntag tabu ist

Amsterdam. Dass viele Bundesliga-Fußballprofis aus ihrem Glauben keinen Hehl machen, ist bekannt. Der bekennende Christ Marcelo Bordon (Foto: ddp) von Schalke 04 tut das genauso wenig wie der Muslim Franck Ribéry vom FC Bayern München. Dennoch spielen sie selbstverständlich an allen Tagen in der Woche, auch am Freitag oder Sonntag Von epd-Mitarbeiter Henk Boesten

Amsterdam. Dass viele Bundesliga-Fußballprofis aus ihrem Glauben keinen Hehl machen, ist bekannt. Der bekennende Christ Marcelo Bordon (Foto: ddp) von Schalke 04 tut das genauso wenig wie der Muslim Franck Ribéry vom FC Bayern München. Dennoch spielen sie selbstverständlich an allen Tagen in der Woche, auch am Freitag oder Sonntag. Ein paar Kilometer weiter westlich geht das so einfach nicht: In den Niederlanden gilt seit 1954 ein Gesetz, nach dem das Fußballspielen am Sonntag vor 13 Uhr verboten ist. Auch Fußballspieler sollen nämlich in die Kirche gehen können. In den 50er Jahren kam in Putten nahe der belgischen Grenze gar einmal die Polizei und nahm den Ball weg, als an einem Sonntagvormittag ein Spiel angepfiffen wurde. Bei den Amateuren lehnen es viele aus religiösen Gründen gar gänzlich ab, am Sonntag anzutreten. Und so spielen unterhalb der Profi-Ligen die Vereine munter aufgeteilt in Zaterdagvoetbal und Zondagvoetbal, Samstagsfußballer und Sonntagsfußballer. Samstagsfußballern fällt dadurch der Aufstieg in den bezahlten Fußball schwer, zu den wenigen Ausnahmen zählt der Ex-Nationalspieler Peter van Vossen. Als Anfang des Jahres Spakenburg - einer der prinzipientreuen niederländischen Samstagsclubs - im Trainingslager in Spanien an einem Sonntag antrat, war die Aufregung groß. Es war immerhin das erste Sonntagsspiel in der fast 80-jährigen Geschichte des Vereins. Beruhigend erklärte der Spakenburg-Vorsitzende Marc Schoonebeek, dass man im eigenen Land nie an einem Sonntag spielen werde. Nur wegen des Flugplans sei man notgedrungen im Trainingslager auf einen Sonntag ausgewichen. Aber, so der Clubchef: "Wir haben den Spielern gesagt: Wer aus persönlicher Überzeugung nicht spielen will — okay." Und davon sei auch Gebrauch gemacht worden, sagt Schoonebeek. Besonders im Bibelgürtel, der sich von der Zeeland im Südwesten bis nach Overijssel im Nordosten an der deutsch-niederländischen Grenze hinzieht, wird Wert gelegt auf die Einhaltung der Sonntagsruhe. Während der Fußball-WM 2006 wurden Angehörige der orthodox-reformierten Kirche dann in Gewissensnöte gedrängt. Es fanden ja WM-Spiele an einem Sonntag statt - und auch noch Spiele der Oranje-Mannschaft. Einige Gemeinden machten aus der Not eine Tugend und veranstalteten ein Public Viewing in ihren Gemeindesälen. "Wer aus persönlicher Überzeugung nicht spielen will - okay." Klub-Chef Marc Schoonebeek