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Wie gefährlich ist ein Hai?

Das Informationsblatt des ägyptischen Entwicklungsministeriums zeigt einen im Roten Meer nahe der Touristenhochburg Scharm al-Scheich gefangenen Hai. Foto: dpa
Das Informationsblatt des ägyptischen Entwicklungsministeriums zeigt einen im Roten Meer nahe der Touristenhochburg Scharm al-Scheich gefangenen Hai. Foto: dpa
Welcher Hai könnte die Urlauberin angegriffen haben? Vesper: Im Roten Meer kommen zwei Haiarten vor, bei denen es schon häufiger zu Übergriffen auf den Menschen gekommen ist. Der eine ist der Weiße Hai, der andere der Tigerhai. Aber es ist immer schwierig, solche Hai-Unfälle richtig einzuschätzen: Die Anzahl der Menschen, die durch Hai-Angriffe sterben, ist ziemlich gering

Welcher Hai könnte die Urlauberin angegriffen haben?


Vesper: Im Roten Meer kommen zwei Haiarten vor, bei denen es schon häufiger zu Übergriffen auf den Menschen gekommen ist. Der eine ist der Weiße Hai, der andere der Tigerhai. Aber es ist immer schwierig, solche Hai-Unfälle richtig einzuschätzen: Die Anzahl der Menschen, die durch Hai-Angriffe sterben, ist ziemlich gering. Die empfundene Gefährlichkeit des Tieres liegt weit über der faktischen. So sterben etwa jedes Jahr mehr Menschen durch Flusspferd-Angriffe als durch jedes andere Raubtier weltweit.

Wie erklären Sie sich, dass es zu Hai-Angriffen kommt?

Vesper: Das Rote Meer ist natürlich ein hoch frequentierter Tauchbereich mit einem Tauchtourismus, der teilweise extra auf Haie abgestellt ist. Da wird zum Teil auch mit Anfütterung gearbeitet. Das heißt, man zieht Haie schon mal näher an die Küste, als sie sonst kommen würden. Zudem werden auf dem Roten Meer auch häufig Schafe mit Schiffen transportiert. Stirbt eins der Tiere, wird es über Bord geworfen. Das zieht auch Haie an.



Ist es möglich, dass Überfischung der Grund für die Angriffe in Küstennähe ist?

Vesper: Diese Theorie halte ich für sehr zweifelhaft, weil Fischerei mehrheitlich in Küstengebieten stattfindet. Wenn Fischbestände mehr von Überfischung betroffen sind, dann eher die in Küstennähe als die draußen. Aber man kann das schwer pauschalisieren.

Wie schätzen Sie die Gefahr für weitere Angriffe ein?

Vesper: Über die Fälle im Roten Meer ist wenig bekannt. Man müsste herausfinden, ob es sich tatsächlich um eine Stelle für den Tauchtourismus handelt, wo Haie angefüttert werden. Aber die Situation ist eher umgekehrt: Haie sind Opfer der Menschen. Jedes Jahr sterben 90 Millionen Haie durch Fischerei und auch als Beifang. Ihr Knorpel wird für medizinische oder kosmetische Produkte benutzt. Die wirkliche Gefahr geht vom Menschen aus.

Hintergrund

Nur wenige Arten wie der Weiße Hai oder der Blauhai können Menschen gefährlich werden. Weltweit gibt es jährlich bis zu 80 Angriffe von Haien. Im Jahr 2009 wurden 61 Attacken erfasst, fünf endeten tödlich. Im Roten Meer tötete ein Hai 2009 eine Französin.

Der Mensch ist für den Hai eine größere Gefahr: Mehr als 70 Haiarten stehen auf der internationalen Roten Liste. dpa