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Wenn der Hahn kräht um drei

Mönchengladbach. Das Geschrei von Federvieh bringt einen Mann um den Schlaf. Die Richter sollen die Vögel nachts einsperren lassen. Entscheidend wird aber nicht nur sein, wie laut der Hahn ist. dpa-Mitarbeiterin Elke Silberer

Was kümmert's den Hahn, wenn sich der Mensch aufregt! Manchmal muss es eben in aller Herrgottsfrühe raus, das Kikeriki. Aber jetzt hat selbst das Federvieh Mittagsruhe. Der Hahn stolziert über den Rasen, pickt mal hier, mal da. Die Hühner folgen ihm in gebührlichem Abstand. Geordnete Ruhe im Mönchengladbacher Tierpark. Für einen Nachbarn ist nachts oft nichts in Ordnung. Dann wird er wach vom Geschrei der Hähne und Pfauen. In einem Prozess kämpft er für mehr Ruhe.

Morgen steht vor dem Amtsgericht der nächste Verhandlungstermin an. Der Kläger sehe sich um seine Nachtruhe gebracht, sagt Anwalt Christoph Hartleb: "Wie Hühner und Hähne nun mal so sind, werden die früh wach und meinen, sie müssten losschreien. Das geht dann nachts um drei Uhr los." Der Kläger sei in den 90er Jahren in das Wohngebiet direkt nebenan gezogen. Er habe von dem Tierpark konkrete Maßnahmen gefordert: "Sperrt die Hühner, Hähne und Pfauen doch nachts in einen Stall und lasst sie morgens wieder raus."

Den Tierpark gibt es seit den 50er Jahren. 91 Tierarten leben hier, insgesamt 400 Exemplare. Das Wisent ist das größte Tier, es gibt Seehunde, Affen, Luchse - auch nicht gerade leise Papageien. Manchmal schallt der Ruf der Esel übers Gelände. Aber es sind die Hähne, Hühner und Pfaue, die der Nachbar ins Visier genommen hat.

"Die Hühner erschrecken sich eben, wenn der Marder kommt", hat die Leiterin des Tierparks Katrin Ernst für manch nächtliche Aufregung auf dem Areal des Federviehs Verständnis. Und wenn es jetzt früher hell werde, krähe eben auch der Hahn früher. "Aber man kann doch nicht sagen, der kräht zu laut", sagt Ernst. Mit Beginn der Paarungszeit rufe auch der Pfau lauter. Aber bis auf den Herrn habe sich niemand darüber beschwert.

Ställe müssten sowieso erst gebaut werden, sagt Ernst. Aber selbst dann gebe es keine Garantie, dass die Pfaue auch reingingen. Denn die prächtigen Vögel nächtigen am liebsten auf Bäumen. Im Übrigen beschwere sich der Nachbar nicht zum ersten Mal. Vorher seien ihm die Kamerunschafe zu laut gewesen. Die seien innerhalb des Geländes umgezogen.

Wie das beim Streit unter Nachbarn oft so ist, sind die Fronten verhärtet. Dieser Vorschlag des Richters zur Güte lief ins Leere: Man solle sich doch überlegen, ob das Geld für den Prozess nicht besser in schallisolierte Fenster investiert sei. Morgen kommen die nächsten Zeugen, darunter die Ex-Frau des Klägers.

Im Gesetz gebe es keinen Grenzwert für Tiergeräusche, sagt ein Gerichtssprecher. Die Richter müssten entscheiden, ob der Kläger durch das Federvieh wesentlich beeinträchtigt sei. Dabei spielten Tageszeit, Häufigkeit und ja, auch die Lautstärke eine Rolle. Das Gericht erwägt, dazu ein Gutachten erstellen zu lassen.