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Weiter Rätsel um Verschwundene

Paris/Düsseldorf. Es mag eine schwere Last gewesen sein, die der 66-Jährige sich schließlich von der Seele geredet hat. Seit zwei Tagen lag der Mann aus Kaarst bei Düsseldorf schwer verletzt in einem südfranzösischen Krankenhaus. Anfangs beteuerte er, dass ein Mann ihn mit einem Messer angegriffen habe, als er nach seiner Frau suchte Von dpa-Mitarbeiterin Ulrike Koltermann

Paris/Düsseldorf. Es mag eine schwere Last gewesen sein, die der 66-Jährige sich schließlich von der Seele geredet hat. Seit zwei Tagen lag der Mann aus Kaarst bei Düsseldorf schwer verletzt in einem südfranzösischen Krankenhaus. Anfangs beteuerte er, dass ein Mann ihn mit einem Messer angegriffen habe, als er nach seiner Frau suchte. Doch dann brach es aus ihm heraus: Seine Frau (Foto: afp) habe Selbstmord begangen. Er habe dies vertuschen wollen, um den Sohn und die Tochter zu schützen. "Jeder, der die Last einer solchen Lüge trägt, ist irgendwann soweit, dass er die Wahrheit sagen muss", sagte der Staatsanwalt von Nîmes, Robert Gelli, der Zeitung "La Provence". Seine Frau habe an einer rheumatischen Krankheit gelitten, die ihr mehr und mehr zu schaffen machte, sagte ihr Mann. Sie sei zu 80 Prozent behindert gewesen. Vor zwei Wochen war sie verschwunden. Ihr Mann fand einen Abschiedsbrief, den der frühere Hausmeister angeblich vernichtete. Darin kündigte seine Frau an, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Er machte sich auf die Suche und fuhr die Radwege am Rhein ab, die sie häufig benutzt hatte. Schließlich entdeckte er ihr Fahrrad irgendwo am Ufer. Von seiner Frau keine Spur. Der 66-Jährige brachte es nicht über sich, die Polizei zu informieren. Für den nächsten Tag war eine große Familienfeier geplant. Er entschuldigte sich damit, dass er mit der 59-Jährigen in den Süden fahren wollte, um ihre Stimmung aufzuhellen. In der Nähe von Tarascon inszenierte er dann den Überfall. Der Mann wies so schwere Schnittverletzungen auf, dass der Staatsanwalt die These eines Überfalls zunächst für glaubhaft hielt. Die Polizei suchte tagelang mit Hunden und Tauchern nach der Frau, ließ sogar das Wasser eines Nebenkanals der Rhône ab. Ohne Erfolg. Fragen blieben offen: Wie sollte ein Angreifer die stabil gebaute 59-Jährige weggeschafft haben? Warum wollte die Frau in der freien Natur austreten, anstatt das nächste Café anzufahren? Schließlich gestand der Ehemann, dass er alles erfunden habe. Tatsächlich habe er sich selbst ein Messer in die Brust gerammt. Die Tatwaffe habe er in den Fluss geworfen. Der 66-Jährige sollte gestern einem Haftrichter vorgeführt werden. In Frankreich drohen ihm nun sechs Monate Haft wegen der Anzeige erfundener Taten. In Tarascon herrscht unterdessen Erleichterung, dass nun doch kein Gewaltverbrecher in der Gegend unterwegs ist. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt nun gegen den Mann wegen Totschlags - aber noch gebe es keinerlei Beweise für ein Verbrechen.