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Von Elefanten und Schlangen

Überholende Lastwagen im Schneckentempo zerren an den Nerven der Autofahrer. „Elefantenrennen“ nennen Verkehrsexperten solche Aktionen. Ein Vorstoß der SPD im nahenden Wahlkampf hat die Debatte über Gegenmaßnahmen neu entfacht. Hier die zentralen Fragen und Antworten im Überblick: dpa

Welche Überholvorschriften gelten überhaupt für Lkw?

Weil sie nun mal langsamer fahren als die viele Pkw, werden Lastzüge leicht zum Hindernis für den Verkehrsfluss auf Autobahnen - vor allem, wenn sie aus der rechten Spur ausscheren. Dabei gilt auch für Lkw die Vorgabe der Straßenverkehrsordnung: "Überholen darf nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt." Die Rechtsprechung legte fest, dass dies eine Tempo-Differenz von mindestens zehn Kilometern pro Stunde bedeutet. Tatsächlich quälen sich viele Transporter nur mühsam voran. Gilt für sie ab 3,5 Tonnen ein Limit von Tempo 80.

Was schlägt die SPD vor?

Die jahrelange Diskussion solle endlich auf den Punkt gebracht werden, sagt der im SPD-Wahlkampfteam für Verkehr zuständige Fraktionsvize Florian Pronold. Sein "einfacher und unbürokratischer" Vorschlag: ein generelles Lkw-Überholverbot auf Autobahnen mit nur zwei Spuren während der Urlaubsreisewelle von Juli bis Ende August. Das sorge für Klarheit angesichts eines "Flickenteppichs" von Überholverboten für bestimmte Abschnitte. Dafür könne eine Verordnung ergänzt werden, die zur Entlastung während der Ferien schon jetzt ein Samstagsfahrverbot für größere Lkw von 7 bis 20 Uhr verhängt.

Was sagen Autofahrerclubs?

Sie sind uneins über die Idee. "Kontraproduktiv", lautet die Einschätzung des ADAC. Wenn Brummifahrer stundenlang auf der rechten Spur hintereinander herfahren, ermüde das. Alle Lkw auf der rechten Spur ergäben zudem rasch eine undurchdringbare Schlange. "Auffahren auf die Autobahn und Abfahren wird für Pkw-Fahrer zur echten Herausforderung." Der Auto Club Europa macht sich dagegen schon länger für ein solches Verbot stark, um Unfälle und Staus zu vermeiden. Da sei es schade, dass die SPD die Idee nun erst im Wahlkampf aufgreife. "Vielleicht wäre es gescheiter gewesen, am Anfang der Legislaturperiode einen Antrag im Bundestag einzubringen."

Was halten Spediteure und Polizeiexperten davon?

Im Speditionsgewerbe stoßen generelle Lkw-Überholverbote auf wenig Begeisterung. Anders als Regelungen für bestimmte Strecken oder Tageszeiten brächte das kein Plus für Verkehrsfluss und Sicherheit, heißt es beim Bundesverband Güterkraftverkehr. Zudem hätten Lastwagen EU-weit schon heute Geschwindigkeitsbegrenzer, die auf Tempo 80 oder 85 eingestellt sind. Die Gewerkschaft der Polizei kann einem Sommer- Überholverbot für Lkw dagegen durchaus etwas abgewinnen. Ziel müsse sein, auf der linken wie rechten Fahrspur jeweils möglichst gleiche Geschwindigkeiten zu erreichen, sagt der Vorsitzende Oliver Malchow. Die Gefahr, dass endlose Lastwagenschlangen Autobahn-Auffahrten blockieren, sieht er nicht. "Auch Lkw haben Abstände einzuhalten."