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Von Ast zu Ast zum Titel

Waldkirch. Wie die Affen schwingen sie sich an den Ästen hinauf, halten sich kurz am Baumstamm fest, sammeln Kraft, straffen das Seil und holen wieder Schwung für den nächsten Sprung in 30 Metern Höhe: Hanja Fritsche und Ronny Epple haben im Rennen um den deutschen Meistertitel im Baumklettern die Jury überzeugt. Sie setzten sich beide am Samstag gegen 58 Konkurrenten durch Von dpa-Mitarbeiterin Ann-Kathrin Grohe

Waldkirch. Wie die Affen schwingen sie sich an den Ästen hinauf, halten sich kurz am Baumstamm fest, sammeln Kraft, straffen das Seil und holen wieder Schwung für den nächsten Sprung in 30 Metern Höhe: Hanja Fritsche und Ronny Epple haben im Rennen um den deutschen Meistertitel im Baumklettern die Jury überzeugt. Sie setzten sich beide am Samstag gegen 58 Konkurrenten durch. An zwei Tagen mussten die Kletterer im südbadischen Waldkirch in fünf Disziplinen zeigen, was sie technisch und ästhetisch in den Astgabeln leisten können.



Beim Baumklettern werden die Wettstreiter von Kameras und Preisrichtern auf einer Hebebühne begleitet, dadurch sind Jury und Zuschauer immer auf Kletterhöhe. Im "Speedclimb" ist Schnelligkeit gefragt, als "Throwline" wird eine Wurftechnik bezeichnet, bei der ein Säckchen, an dem ein Seil befestigt ist, zielgenau in den Baum geworfen werden muss. Gelingt das, kann mit Hilfe des Seils weiter geklettert werden. "Die wichtigste Disziplin ist aber Areal Rescue", erklärt Kilian Rüfer von der "Internationalen Baumpflege-Gesellschaft" (Heidelberg). "Dabei wird die Rettung eines Verletzten im Baum simuliert." Aus dieser Aufgabe heraus ist auch die Sportart entstanden.

Streng genommen darf allerdings gar nicht von Sport gesprochen werden. "Eigentlich üben wir hier eine berufliche Baumzugangstechnik aus", erklärt Rüfer. Tatsächlich nehmen nur professionelle Baumpfleger an den Wettkämpfen teil. Baumpfleger müssen "im besiedelten Raum die Interessen von Menschen und Bäumen abgleichen", sagt Rüfer über seinen Beruf. Es geht darum, Äste zu stutzen, Saatgut zu sammeln - also den Menschen Sicherheit zu garantieren und den Bäumen ein längeres Leben.

Ein spezielles Training vor der Meisterschaft scheint nicht nötig zu sein: "Arbeiten ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Sebastian Hoffmann, der in Waldkirch den zweiten Platz belegte. Seit sieben Jahren ist der 27-Jährige im Geschäft, jeden Tag hat er sich ein Stück mehr in Richtung Meisterschaft vorgearbeitet. Vom Klettertalent deutscher Baumpfleger ist der mehrfache Kletterweltmeister Bernd Strasser überzeugt: "Die Teilnehmer haben alle eine starke Leistung im anspruchsvollen Parcours erbracht", lobt der achtfache internationale Champion im Baumklettern. Als Zuschauer hat er auch beim Wettbewerb in Südbaden den Überblick. Fehler erkennt Strasser sofort. Seit 18 Jahren klettert der 41-Jährige aus Gomadingen nahe Reutlingen auf Bäume. An seiner ersten Weltmeisterschaft nahm er 1994 in Saint Louis (USA) teil. Für die deutschen Meister geht es jetzt nach Malmö in Schweden zum europaweiten Wettbewerb.