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Trickserei beim ADAC war kein Alleingang

Der ADAC hat abgesehen vom Lieblingsauto in keiner weiteren Kategorie des Preises „Gelber Engel“ gemogelt. Jedoch habe es schon früher Betrugsversuche gegeben. Dieses Fazit ziehen die Experten des Wirtschaftsprüfers Deloitte. Wegen des Skandals müssen jetzt die beiden Geschäftsführer des Clubs ihren Hut nehmen. Von SZ-MitarbeiterThomas Magenheim-Hörmann

München. Beim ADAC rollen weiter Köpfe: Wegen des Manipulationsskandals um den Autopreis "Gelber Engel" müssen weitere Topmanager ihre Posten aufgeben. Betroffen sind die beiden Geschäftsführer Karl Obermair und Stefan Weßling, kündigte der kommissarische Club-Präsident August Markl gestern in München an. Beide hätten aber persönlich nichts mit den Betrügereien zu tun gehabt. Weßling hat seinen Posten bereits geräumt. Mit Obermair laufen die Gespräche noch. Zugleich wurde Marion Ebentheuer als bisherige Vizechefin einer ADAC-Versicherungstochter als erste Frau in der 111-jährigen Club-Geschichte in dessen Geschäftsführung berufen.

Wochenlange Prüfung

Bekannt wurden auch neue Details der Manipulationsaffäre. Zwar haben die Experten des Wirtschaftsprüfers Deloitte, die den Skandal seit Wochen unter die Lupe nehmen, keine neuen Betrügereien aufgedeckt. Bei den neun Nebenpreisen des "Gelben Engel", die unter anderem die beliebteste Automarke oder die beste Qualität auszeichnen, sei nicht manipuliert worden, soweit noch nachprüfbar ist, schilderte der Deloitte-Experte Frank Marzluf.

Die bisherige These, dass der frühere ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter ein Alleintäter war, ist aber schwer erschüttert. Das geht aus einem von Deloitte rekonstruierten E-Mail-Verkehr zwischen dem teilweise geständigen Täter und einem ungenannten Mitarbeiter im Vorfeld der Preisverleihung 2014 hervor. "Sollten Sie Fragen oder mit einzelnen Ergebnissen Bauchschmerzen haben, teilen Sie uns dies bitte möglichst rasch mit, damit wir noch gegensteuern können", habe dieser Ramstetter geschrieben. Im stillen Kämmerlein manipuliert hat dieser demnach nicht. Sein Wunsch, beim Autopreis nicht immer die gleichen Konzerne gewinnen zu lassen, war zumindest einem weiteren Mitarbeiter bekannt.

Das gilt auch für die Praxis des "Gegensteuerns", also des willkürlichen Veränderns von Rangfolgen. Das sei deshalb klar, weil ein Mitwisser den Medien die Wahrheit verraten hat, was den Skandal ins Rollen brachte, bestätigt Marzluf. Der Einzige, der für Klarheit sorgen könnte, ist Ramstetter. Der habe ein mit Deloitte vereinbartes Gespräch aber kurzfristig wegen Krankheit abgesagt.

Weiterer Betrugsversuch

Die Experten hatten zuvor nachgewiesen, dass die Zahl der abgegebenen Stimmen beim "Gelben Engel" über Jahre hinweg um den Faktor zehn bis 15 aufgebläht und in einem Fall auch ein falscher Preisträger zum Lieblingsauto der Deutschen gekürt wurde. Bei den anderen neun Preiskategorien hat Deloitte einen fehlgeschlagenen Manipulationsversuch aufgedeckt. Demnach wollte Ramstetter 2014 in der Kategorie Reiselimousine das zweitplatzierte Modell zum Sieger machen. Der Club will seinen Ex-Kommunikationschef nun auf Schadenersatz verklagen. Auch strafrechtliche Schritte würden geprüft, sagte Markl. Zugleich erklärte der ADAC-Präsident die Aufklärungsarbeit von Deloitte für beendet. Markl schloss seinerseits einen persönlichen Rückzug aus. Zu befinden hat darüber eine Hauptversammlung Mitte Mai. Dort sollen den Delegierten auch erste Pläne für einen Umbau des größten deutschen Vereins präsentiert werden.