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„Tatort“-Nachlese
Zu viel Ironie, zu viele Alliterationen und ein Wunsch-Kloß

FOTO: dpa / Anke Neugebauer
Im „Tatort“ aus Weimar führt ein Mord die Ermittler in eine Kloßmanufaktur. Die Hauptdarsteller dieses Falls: eine gedächtnislose Klofrau, die eigentlich Unternehmergattin ist, ein Ermittlerpaar mit großer Liebe zu Dauerironie und Klöße in mannigfaltiger Ausfertigung. Von Barbara Grofe

Worum es ging Um den Mord an Christoph Hassenzahl, Geschäftsführer einer Kloßmanufaktur mit langer Geschichte. Um seine Ehefrau Roswita, die sieben Jahre lang ihr Gedächtnis verloren haben will, in dieser Zeit als Toilettenfrau in einer Autobahnraststätte arbeitete und die ihr Gedächtnis ausgerechnet am Todestag ihres Gatten wiederfindet. Um ihren Lebensgefährten, als Klomann tätig, der auf viel zu großem Fuß lebt. Und um einen Kartoffelbauern, dessen Existenz der Kloß-Mogul vernichtet haben soll und der genauso verdächtig ist wie Roswita.


Was toll war Die Idee vom „Soß-Kloß“, vom Kloß, der die Soße schon in sich trägt. Den würde man doch wirklich gern mal essen. Die Musik: Barry White durfte in Weimar „Can´t Get Enough of Your Love, Babe“ und „You’re The First, the Last, My Everything“ singen, France Gall „Ella, elle l’a“ und Howie Carpendale „Hello Again“.

Was so geht so war Die Dauerironie, mit der sich Lessing und Dorn (Christian Ulmen und Nora Tschirner) unterhalten und die auf Dauer doch arg anstrengend ist. Der Titel - so langsam könnte man doch mal mit der Tradition der Alliteration im Namen der Folge brechen. Was man den Kommissaren aus Weimar bei aller Kritik nicht vorwerfen kann: dass ihre „Tatort“-Einsätze zu depressiv-düster sind, dass zu viel geballert wird, dass es ausschließlich um das ziemlich therapiebedüftige Privatleben der Ermittler geht. Und das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit.