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Dramatische Entwicklung
Zahl der Organspender auf neuem Tiefpunkt

Die Organspenderzahlen sinken auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.
Die Organspenderzahlen sinken auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. FOTO: Caroline Seidel / dpa
Berlin/Saarbrücken. 10 000 Menschen hoffen derzeit auf ein lebensrettendes Organ. Doch die Zahl der Spender sinkt.

Die Zahl der Organspender in Deutschland hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nach den Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gab es nur 797 Spender, 60 weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Stand seit 20 Jahren, teilte die Stiftung mit. „Leider werden wir erstmals unter die Marke von zehn Spendern pro eine Million Einwohner rutschen“, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. In der Historie der Stiftung sei das, gerechnet ohne die Anfangsjahre der Organspende, noch nie passiert. „Im internationalen Vergleich war Deutschland bisher im unteren Mittelfeld. Jetzt stehen wir fast hinter allen westeuropäischen Ländern. Das ist eine dramatische Entwicklung.“



Rahmel sieht die Gründe für den Rückgang der Spenderzahlen in Deutschland weniger in der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung. Eine Ursache sei die enorme Leistungsverdichtung in den Kliniken. Er wünscht sich zudem Verbesserungen in der Organisation der rund 1250 Kliniken in Deutschland, die zum Organspende-System gehören. So habe zum Beispiel Bayern im Vorjahr Transplantationsbeauftragte erstmals für ihre Aufgabe freigestellt. Die Spenderzahlen seien um 18 Prozent gestiegen – der höchste Wert unter allen Bundesländern. Die Entwicklung war 2017 regional sehr unterschiedlich. Während neben Bayern auch Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland eine Zunahme der Spender verzeichneten, ging der Bundestrend generell zurück. Im Saarland spendeten insgesamt 16 Menschen nach ihrem Tod Organe – vier mehr als 2016.

„Die Organspende liegt am Boden“, sagte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Dennoch werde das Thema in dem Sondierungspapier von Union und SPD mit keinem Wort erwähnt. Angesichts von rund 10 000 Schwerstkranken auf der Warteliste müsse dringend gehandelt werden, erklärte Brysch.