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Valentinstag
Warum Liebe tatsächlich durch den Magen geht

 Ein Paar isst gemeinsam einen Liebesapfel. Liebe geht durch den Magen – besonders am Valentinstag.
Ein Paar isst gemeinsam einen Liebesapfel. Liebe geht durch den Magen – besonders am Valentinstag. FOTO: drubig-photo/ Fotolia / Diana Drubig
München/Regensburg. Zum heutigen Valentinstag erklären Wissenschaftler, was hinter Liebes-Floskeln steckt. An einigen ist durchaus etwas dran. Von Marco Krefting

Manche Liebesschwüre, die sich Frischverknallte ins Ohr säuseln, klingen reichlich abgedroschen: blind vor Liebe sei man, könne sich gut riechen. Doch was ist da aus wissenschaftlicher Sicht dran?


Liebe geht durch den Magen: Frisch Verliebte können angeblich allein von Luft und Liebe leben. Verantwortlich dafür ist wohl das Hormon Phenyl­ethylamin, das bei Verliebten reichlich gebildet wird und zu einem gezügelten Appetit führt. Anders sieht es in längeren Beziehungen aus: Studien zeigen, dass glückliche Paare im Schnitt mehr wiegen als Singles. Menschen in glücklichen Partnerschaften wiegen zudem mehr als solche in kriselnden. „Dies ist womöglich auf den sinkenden Konkurrenzdruck in glücklichen Partnerschaften zurückzuführen“, berichten Martina Müller-Schilling, Sophie Schlosser und Stephan Schmid vom Uniklinikums Regensburg (UKR). Gerade am Valentinstag könnten ein Durcheinander von Hormonen und damit Chaos im Magen entstehen, sagt Yurdagül Zopf vom Uniklinikum Erlangen. Beim gemeinsamen Essen werde vermehrt das „Kuschel- oder Beziehungshormon“ Oxytocin ausgeschüttet, das auch den Appetit hemmt. „Neusten Erkenntnissen nach führt Oxytocin jedoch nicht bei jedem zu einem Abnehmeffekt, denn es kann auch sein, dass die Lust nach Süßem verstärkt hervorgerufen wird“, so Zopf. In der Phase der Verliebtheit werde der Körper auch von den Geschlechtshormonen Testosteron und Östrogen reguliert. „Diese werden hauptsächlich unter Stresseinfluss ausgeschüttet und führen zu einem unruhigen Magendarmtrakt.“

Sich riechen können/Da stimmt die Chemie: Ähnlich wie bei Organspenden passe es nicht immer zwischen zwei Menschen, erklärt Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München. Doch scheint in der Liebe die Devise „je fremder, umso besser“ zu gelten. Dabei geht es um Immun-Gene, wie Bernhard Weber, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg, erklärt. Diese spielen bei der Abwehr von Krankheitserregern eine Rolle. Und je unterschiedlicher der Genpool von Mutter und Vater, desto besser ist der Nachwuchs für möglichst viele Krankheitserreger gewappnet. Traidl-Hoffmann sagt, es gebe Hinweise, dass Moleküle auf Zellen, die bei der Erkennung des Immunsystems über Freund oder Feind entscheiden, Duftkomponenten entstehen lassen. Und über die Luft gelangen die Moleküle an die Riechrezeptoren in der Nase. „Das Gehirn entscheidet dann: passt oder passt nicht.“



Gleich und gleich gesellt sich gern: Gerade bei dauerhaften Beziehungen ähnelten sich Partner nachweislich sehr häufig, sagt der Psychologe Roland Deutsch von der Würzburger Universität. Das sei für das Zusammenleben wichtig: „Eine total introvertierte Person wird es schwierig haben mit einem sehr Extrovertierten, eine Nachteule mit einem Frühaufsteher.“ Homogamie heißt der Fachbegriff für Gleichartigkeit von Partnern etwa beim sozioökonomischen Status oder der Attraktivität.

Gegensätze ziehen sich an: Was hat es dann damit auf sich? Dieses Sprichwort treffe deutlich seltener zu, sagt Deutsch. Es gebe manchmal den „Romeo-und-Julia-Effekt“: dass eine Beziehung kurzfristig gestärkt wird, wenn das Paar das Gefühl hat, dass das Umfeld sie nicht gutheißt. Bei Heterosexuellen unterschieden sich Männer und Frauen teils auch hinsichtlich ihrer Vorlieben bei der Partnerwahl. So achteten Männer beim anderen Geschlecht beispielsweise stärker aufs Aussehen als Frauen. Johannes Kornhuber, Psychiater am Uniklinikum Erlangen, ergänzt: Frauen suchten eher nach Status und Intelligenz. „Dies passt zu dem Klischee eines mächtigen Mannes mit hübscher Frau an seiner Seite.“ Treffen unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen aufeinander, habe das durchaus Vorteile wie ausgewogenere Sichtweisen und klügere Handlungen, sagt Kornhuber. Auch manche gegensätzlichen Persönlichkeitseigenschaften passten wie ein Schlüssel ins Schloss, etwa sich gerne führen lassen und gerne führen.

Liebe macht blind: Ein Botenstoff, der im Gehirn das Gefühl von Verliebtheit entstehen lässt, ist Dopamin. Thomas Loew, Leiter der UKR-Abteilung für Psychosomatische Medizin, vergleicht die Wirkung mit einer wahnhaften Störung. Vereinfacht gesagt: Frisch Verliebte sind blind für etwaige Fehler des Geliebten. Endorphine, die Glücksgefühle vermitteln und schnell Zufriedenheit herstellen können, führen laut Loew dazu, dass Liebende sich zumindest anfangs vollkommen ausreichten. „Kommt dann noch die körperliche Berührung ins Spiel, wird zusätzlich das Oxytocin – gerne auch Kuschelhormon genannt – aktiviert, das auf Dauer eine Bindung entstehen lässt.“