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Streit um Schriftart
Wirbel um Panzerwagen in Sachsen

Die Stickereien auf den Sitzen in den neuen Panzerwagen der sächsischen Polizei sorgen für Diskussionen. Manche fühlen sich an die Symbolik der Nazi-Zeit erinnert.
Die Stickereien auf den Sitzen in den neuen Panzerwagen der sächsischen Polizei sorgen für Diskussionen. Manche fühlen sich an die Symbolik der Nazi-Zeit erinnert. FOTO: Dirk Knofe / dpa
Dresden/Leipzig. Ein Schriftzug ähnlich der alten deutschen Fraktur ziert die Sitze eines neuen Polizeiwagens in Sachsen. Auf Twitter und Co. hagelt es Häme und Kritik.

Neue Panzerfahrzeuge der sächsischen Polizei haben für heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken gesorgt. Auslöser ist eine Stickerei auf den Sitzen, unter anderem mit dem sächsischen Wappen und dem Schriftzug „Spezialeinsatzkommando Sachsen“ in einer der Fraktur ähnlichen Schrift. Der Vorwurf: Die Optik erinnere an die Symbolik der Nazi-Zeit. Die in Deutschland lange verwendete Frakturschrift fand auch zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus noch vielfache Anwendung.



Sowohl Innenministerium als auch Landeskriminalamt (LKA) wiesen die Vorwürfe zurück. „Wir haben darin nie eine rechte Attitüde gesehen“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt gestern in Dresden. Das Logo gibt es ihm zufolge bereits seit 1991. Es sei nur für den internen Gebrauch bestimmt und diene zugleich als „identitätsstiftende Maßnahme“. Die Krone auf dem Wappen sei zu sehen, weil sie der Funkrufname des SEK sei, die Löwen erinnerten an das Leipziger Wappentier; die Einheiten sind in der Stadt stationiert. „Die Frakturschrift haben wir nie in der rechten Ecke verortet“, sagte Bernhardt. Immerhin sei die alte Frakturschrift von den Nazis 1941 sogar verboten worden.

Das Innenministerium hatte am Sonntag nach einem Sturm der Entrüstung bei Twitter in einem eigenen Tweet den Eindruck erweckt, dass das Logo vom Fahrzeughersteller Rheinmetall mit diesem Schrifttyp ausgefertigt worden sei. Dem trat die LKA-Sprecherin entgegen: „Es wurde so bestellt und auch so geliefert.“ Laut Innenministerium hatte der Hersteller angeboten, die Sitze mit einem Logo „kostenneutral“ zu besticken. „Diesem Vorschlag wurde durch die Behörde zugestimmt und eine Vorlage geliefert.“ Das erste von zwei Sonderfahrzeugen war am Freitag durch den inzwischen abgelösten Innenminister Markus Ulbig (CDU) übergeben worden. Hersteller Rheinmetall wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Ein Sprecher verwies auf das sächsische Innenministerium als Auftraggeber und Besitzer der gepanzerten Fahrzeuge.

Die Sonderfahrzeuge „Survivor R“ sollen bei möglichen Anti-Terror-Einsätzen durch Spezialkräfte des LKAs eingesetzt werden. Dem LKA-Sprecher zufolge wurden die Panzerfahrzeuge für den sächsischen Gebrauch „stark individualisiert“, einschließlich der technischen Ausstattung und des Logos.

Genau dieses Logo hat für viele Kommentar gesorgt. Ein Nutzer schrieb unter anderem auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter: „Hübsches Logo! Fast wie früher . . . fehlen nur Adler und Kreuz. Frage mich, wer sich sowas ausdenkt heutzutage im Freistaat #Sachsen?“



Die sächsischen Linken sprachen von „sächsischen Verhältnissen“. „Dass die stilistische Nähe offenkundig durch niemanden bei Polizei und Innenministerium als Problem gesehen wird, ist erschreckend“, meinte der stellvertretende Landesvorsitzende Silvio Lang. „Das letzte i-Tüpfelchen bildet dann der fadenscheinige Versuch, die Verantwortung für den erneuten Fehltritt nach rechts an den Hersteller abzuschieben.“ Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte das sächsische Innenministerium wegen des Schriftzugs in der Nacht zu Montag auf Twitter dazu auf, die Bestelldokumente für das Fahrzeug öffentlich zu machen.

Das LKA hatte mit der heftigen öffentlichen Reaktion nach eigenen Angaben nicht gerechnet. Das sächsische Innenministerium schrieb gestern in einer Stellungnahme: „Die Vorwürfe, dass mit dem Logo Nähe zum Nationalsozialismus gezeigt werden soll, weisen wir ausdrücklich von uns.“ Man werde die Diskussion jedoch zum Anlass nehmen, die Verwendung des Logos in dieser Form kritisch zu prüfen.

Eins von zwei neuen Fahrzeugen ist am Freitag vorgestellt worden. Es soll bei Terror- und Amoklagen zum Einsatz kommen.
Eins von zwei neuen Fahrzeugen ist am Freitag vorgestellt worden. Es soll bei Terror- und Amoklagen zum Einsatz kommen. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa