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Weinstein-Skandal
Weinstein-Skandal löst Lawine aus

 Harvey Weinstein ist im Zusammenhang mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung von seinem Filmstudio entlassen worden.
Harvey Weinstein ist im Zusammenhang mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung von seinem Filmstudio entlassen worden. FOTO: dpa / Guillaume Horcajuelo
Los Angeles. Über 200 000 Frauen und Männer bekennen bei einem Online-Aufruf, Opfer sexueller Übergriffe zu sein. dpa, afp

() Zehntausende Frauen haben sich im Internet nach den Vorwürfen gegen Filmproduzent Harvey Weinstein als Opfer sexueller Übergriffe von Männern zu erkennen gegeben. Ausgelöst wurde die Flut von Kommentaren durch Schauspielerin Alyssa Milano, die vor allem durch die Fernsehserien „Wer ist hier der Boss?“ und „Charmed – Zauberhafte Hexen“ bekannt ist. In einem Tweet forderte die 44-Jährige alle Frauen auf, die Opfer sexueller Übergriffe wurden, sich mit dem Hashtag #MeToo („Ich auch“) zu Wort zu melden.


„Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder genötigt wurden, ‚Me too’ als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen“, schrieb die 44-Jährige. Milano hatte in der Serie „Charmed“ an Seite von Schauspielerin Rose McGowan vor der Kamera gestanden, die Weinstein gemeinsam mit anderen Frauen sexuellen Missbrauch vorwirft. US-Medien zufolge wurden gestern bereits mehr als 200 000 Tweets mit dem Hashtag #MeToo veröffentlicht. Auch männliche Stimmen meldeten sich zu Wort, darunter der schwule Broadway-Schauspieler Javier Muñoz.

Parallel startete die französische Journalistin Sandra Muller einen ähnlichen Aufruf: Unter dem Schlagwort #balancetonporc (etwa: Entlarve das Schwein) berichteten Frauen über Erfahrungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz oder auf der Straße – ebenfalls mit großer Resonanz.



Zuletzt war bekannt geworden, dass der lange einflussreiche US-Filmproduzent Harvey Weinstein offenbar seit Jahrzehnten Frauen sexuell belästigt hatte. Mindestens fünf Frauen erhoben zudem Vergewaltigungsvorwürfe.

Für Weinstein könnten einige Vorwürfe durchaus juristische Folgen haben: Wie die britische Nachrichtenagentur PA am Sonntag berichtete, dehnte die Londoner Polizei ihre Untersuchungen in dem Fall aus. Die Ermittler gingen demnach drei Anschuldigungen einer zweiten Frau nach.

Gegen Weinstein laufen zudem polizeiliche Untersuchungen in New York. Viele der im Zuge des Skandals ans Licht gekommenen Vorwürfe sind inzwischen verjährt, da es sich nach der Gesetzeslage um kleinere Delikte handelt. Anders verhält es sich unter Umständen bei Vergewaltigung. Diese Straftat verjährt beispielsweise nach den in New York geltenden Gesetzen nicht.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Weinstein wegen der Vergewaltigungsvorwürfe den Verdienstorden der Ehrenlegion aberkennen. Er habe entsprechende Schritte eingeleitet, sagte Macron am Sonntagabend im Interview mit dem Fernsehsender TF1.

 Schauspielerin Alyssa Milano ruft online den Hashtag #MeToo ins Leben.
Schauspielerin Alyssa Milano ruft online den Hashtag #MeToo ins Leben. FOTO: dpa / John Shearer