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Schnarch-Museum
Vom Sägen, Knattern und Röcheln

Internist Josef Alexander Wirth möchte, dass die Besucher seines Schnarch-Museums in Alsfeld die Ausstellung lachend betreten und belehrt wieder herausgehen.
Internist Josef Alexander Wirth möchte, dass die Besucher seines Schnarch-Museums in Alsfeld die Ausstellung lachend betreten und belehrt wieder herausgehen. FOTO: dpa / Holger Hollemann
Alfeld. Das Schnarchen sorgt für Streit im Schlafzimmer und kann gesundheitsgefährdend sein: Schlafmediziner Josef Alexander Wirth hat dem Phänomen ein Museum gewidmet.

Nasenklammern, Zahnschienen, gepolsterte Westen und Beatmungsgeräte – Josef Alexander Wirth (67) ist ständig auf der Jagd nach neuen Erfindungen gegen das Schnarchen. In seinem einzigartigen Schnarchmuseum im niedersächsischen Alfeld präsentiert der Schlafmediziner Kurioses und Lehrreiches zu dem Phänomen, das schon unzählige Ehepartner zur Verzweiflung gebracht und sogar Paare entzweit hat. „Bis etwa zum 50. Lebensjahr schnarchen überwiegend die Männer, nach der Menopause holen die Frauen auf“, erläutert der Internist. Wirth möchte, dass die Besucher „lachend das Museum betreten und belehrt wieder herausgehen“.


Anfang Dezember ist die Sammlung mit rund 300 Objekten in neue Räume umgezogen. Das Hochwasser der Warne im Juli hatte die alte Halle überschwemmt, rund 50 Zentimeter hoch stand das Wasser. „Es ist jetzt viel schöner als vorher“, sagt der Sammler. Auf 93 Quadratmetern gibt es nun vier thematisch geordnete Räume, in einem von ihnen ist mit wuchtigen Geräten und Schaufensterpuppen ein Schlaflabor aus dem Jahr 1985 eingerichtet.

Kaum ein anderes Leiden hat Wirth zufolge seit dem 19. Jahrhundert bis heute so viele Erfinder inspiriert. Je nachdem, woher das Schnarchen kommt, wird an verschiedenen Stellen angesetzt. Einige Menschen sägen, knattern und röcheln nur in der Rückenlage. In einer Vitrine liegt eine Kanonenkugel, solch eine wurde Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg in die Uniform genäht, um ihren Schlaf und damit ihre Leistungsfähigkeit im Gefecht zu verbessern. Später gab es diverse Rückenapparaturen. „Man kann es aber auch einfach mit einem Rucksack und einem Basketball darin ausprobieren, damit man sich im Schlaf nicht auf den Rücken dreht“, meint der Arzt.



Bei einem Schnupfen oder nach zu viel Alkohol schnarcht so gut wie jeder. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung gelten als Gewohnheits-Schnarcher. Die Geräusche entstehen, wenn die Atmung durch die Nase eingeschränkt ist und die Muskulatur im Rachen erschlafft. Bei etwa jedem vierten Mann und jeder siebten Frau im mittleren Alter ist das Schnarchen mit gefährlichen Atemaussetzern verbunden – sie sind von der sogenannten Schlaf-Apnoe betroffen.

„Lösungen für das Problem kann man nur individuell finden“, sagt Wirth. Viele Hilfsmittel funktionierten nicht, auch sollte man sich nicht vorschnell für eine Operation zum Beispiel am Zäpfchen oder der Nasenscheidewand entscheiden. Zu den neuen Objekten der Sammlung zählt ein Didgeridoo: Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass das Spielen des Instruments Patienten mit einem leichten Schlafapnoe-Symptom hilft, weil es die Muskeln stärkt, die die oberen Atemwege offenhalten.

Schlafmediziner Wirth führt zuweilen nach Vereinbarung selbst Schlafapnoe-Selbsthilfegruppen durch seine Ausstellung. Das Museum ist sonst mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet und zählt etwa 1000 Gäste jährlich.

Wirth sammelt nicht nur, sondern forscht auch zur Geschichte und zu den Ursachen des allzu menschlichen Phänomens. Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin begrüßt Wirths Privatinitiative. „Die Sammlung ist kulturhistorisch bedeutsam“, sagt Vorstandsmitglied Hans-Günter Weeß. Schließlich suchten die Menschen schon seit Jahrhunderten wirksame Mittel gegen das Schnarchen.

Wirth bläst auf einem Didgeridoo. Das Spielen des Instruments soll sich auf die Folgen des Schlafapnoe-Syndroms positiv auswirken.
Wirth bläst auf einem Didgeridoo. Das Spielen des Instruments soll sich auf die Folgen des Schlafapnoe-Syndroms positiv auswirken. FOTO: dpa / Holger Hollemann