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Umweltskandal
Fäkalien-Alarm auf Mallorca

Das Schwimmen im Meer vor Palma ist derzeit kein Vergnügen. Weil eine Kläranlage veraltet und überlastet ist, fließt immer wieder mit Fäkalien und Toilettenpapier verunreinigtes Wasser ins Mittelmeer.
Das Schwimmen im Meer vor Palma ist derzeit kein Vergnügen. Weil eine Kläranlage veraltet und überlastet ist, fließt immer wieder mit Fäkalien und Toilettenpapier verunreinigtes Wasser ins Mittelmeer. FOTO: dpa / Clara Margais
Palma de Mallorca. Ein Umweltskandal sorgt auf der Ferieninsel für großen Unmut. Verseuchtes Meerwasser ekelt Anwohner und Urlauber. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Von Ralph Schulze

Saubere Strände, transparentes Wasser – so wird die Ferieninsel Mallorca in den Reiseprospekten vermarktet. Doch der Schein trügt zuweilen, wenigstens an manchen Stränden der Inselhauptstadt Palma. Weil die städtische Kläranlage veraltet und überlastet ist, fließt immer wieder mit Fäkalien und Toilettenpapier verunreinigtes Wasser ins Meer. Vor allem nach Regenfällen läuft die Kläranlage buchstäblich über. Das ist nicht nur eine unappetitliche Angelegenheit, sondern auch ein handfester Skandal, für den sich die politischen Parteien in Palma derzeit gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben.


Erst vor wenigen Tagen mussten wieder mehrere Stadtstrände gesperrt werden, weil das Badewasser durch die Abwassereinleitungen zu stark verseucht war. Rote Flaggen signalisierten Besuchern an den Stränden C’an Pere Antoni und ­Ciutat Jardí, dass Gefahr drohte. Wobei den Touristen nicht mitgeteilt wurde, warum sie nicht ins Wasser gehen durften. Wer mehr wissen wollte, musste sich also selbst kundig machen – etwa in der Inselpresse.

Das deutschsprachige „Mallorca Magazin“ informierte ausführlich über den Umweltskandal und befragte zugleich in seiner Online-Ausgabe die Leser: „Immer wieder fließt aus Kläranlagen unzureichend gereinigtes Abwasser in die See. Baden Sie noch gerne im Meer vor Mallorca?“ Für viele der Befragten ist das Badevergnügen wegen der Fäkal-Affäre offenbar getrübt. Rund 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer stimmten folgender Aussage zu: „Ein wenig ekelt mich das Meerwasser mittlerweile schon an.“



Auch vielen Anwohnern der Palma-Stadtviertel Coll d’en Rabassa und Molinar, vor deren Haustüren die Abwässer ins Meer gelangen, stinkt es buchstäblich. Sie hängten an ihrer Strandpromenade Protestplakate auf: „SOS – keine Einleitungen mehr. Wir wollen sauberes Wasser.“

Eine Bürgerplattform warf Palmas Stadtverwaltung vor, „die Gesundheit der Menschen zu gefährden“. Das Problem der alten Kläranlage mit dem Namen EDAR II, die zwischen Palmas City und dem Flughafen liegt, sei seit Jahren bekannt – doch nichts sei geschehen, klagt die Bürgerinitiative. Die Touristenhochburg S’Arenal mit der berühmten Playa de Palma liegt nur ein paar Kilometer östlich der Abwassereinleitungen.

Palmas Fäkalien-Fiasko hat auch damit zu tun, dass die Kläranlage schon mehr als 40 Jahre alt ist. Sie sei zu Zeiten gebaut worden, als sehr viel weniger Touristen nach Mallorca kamen, erklärten die örtlichen Behörden. Zudem komme in Palmas Kläranlage auch das Regenwasser aus der Straßenkanalisation an. Was dazu führe, dass nach jedem größeren Regenfall die Klärbecken überlaufen und die Schleusen Richtung Meer aufgemacht werden müssten. Mit dem bekannten Ergebnis, dass dann alles, was durch Palmas Toiletten rauscht, ungefiltert im Meer landet.

Die Empörung darüber ist so groß, dass Palmas Bürgermeister Antoni Noguera von der linken Insel-Ökopartei MÉS dieser Tage in einem offenen Brief an Bewohner und Touristen Stellung bezog: „Wir sind uns des Ärgernisses bewusst.“ Er versprach Abhilfe und warf der früheren konservativen Stadtregierung vor, geschlafen zu haben. Nun werde man mit dem Bau eines neuen Rückhaltebeckens die Kapazität der alten Kläranlage vergrößern – dies könne aber zwei Jahre dauern. Zudem sei eine neue Kläranlage geplant, die aber erst in fünf Jahren fertig sei.

Eine schnelle Lösung ist also nicht in Sicht, so dass es wohl auch in den nächsten Jahren noch öfter Fäkalien-Alarm in der Bucht von Palma geben wird. Das „Mallorca Magazin“ bereitete seine Leser bereits auf weitere Hiobsbotschaften vor und titelte: „Fäkal-Wasser fließt noch fünf Jahre ins Meer.“