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Hunderte Todesopfer
Tsunami bringt Tod und Verwüstung

Besonders schlimm hat es die Stadt Palu getroffen. Auch die große Moschee mit ihrer grünen Kuppel ist weitgehend zerstört.
Besonders schlimm hat es die Stadt Palu getroffen. Auch die große Moschee mit ihrer grünen Kuppel ist weitgehend zerstört. FOTO: dpa / Tatan Syuflana
Palu. Bei der Katastrophe in Indonesien sind vermutlich mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Eine gewaltige Flutwelle überschwemmte die Küste der Insel Sulawesi und richtete große Schäden an. Von Christoph Sator und Ahmad Pathoni, dpa

Auf dem Parkdeck der Grand Mall, des großen Einkaufszentrums von Palu, oberhalb des Strands, fühlen sich die Leute anfangs noch sicher. Einige filmen mit dem Smartphone hinaus aufs Meer. Zu sehen ist, wie eine mächtige Welle aufs Land zurollt. Langsam zwar, aber mit großer Gewalt. Als sie auf die Küste trifft, ist es mit dem Gefühl der Sicherheit vorbei. Das Bild verwackelt. Eine Frau ruft: „Gott, steh mir bei.“ Dann ist alles schwarz.


Das war der Moment, in dem am Freitagabend nach einer Serie von Erdbeben ein Tsunami auf die Westküste der indonesischen Insel Sulawesi traf. Besonders schlimm hat es Palu getroffen, die größte Stadt an der Küste mit etwa 350 000 Einwohnern. Auf Videos ist zu sehen, wie Wassermassen ganze Häuser mit sich reißen und Menschen, Autos, Mopeds, Bäume dazu. Die große Moschee mit ihrer grünen Kuppel, wo sich die Gläubigen gerade zum Freitagsgebet versammelten, ist weitgehend zerstört.

Mehr als tausend Menschen sind bei der Katastrophe vermutlich ums Leben gekommen. Nach einer Zwischenbilanz der Behörden gab es auf der Insel Sulawesi mindestens 832 Tote. Das indonesische Online-Nachrichtenportal Kumparan berichtete unter Berufung auf die nationale Polizei sogar von mindestens 1203 Toten. Offiziell wurde diese Zahl zunächst nicht bestätigt. Viele Menschen werden noch vermisst, darunter auch Ausländer. Hinweise auf deutsche Opfer hat das Auswärtige Amt bislang keine.



Auch das siebenstöckige Hotel „Roa-Roa“ in Palu ist zusammengebrochen. Dort werden sogar noch 50 Gäste in den Trümmern vermutet. Es ist ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit. Als es schon wieder dunkel ist, wird eine Frau aus der Ruine gezogen. Einer der Retter, Retno Budiharto, sagt: „Zum Glück lag sie unter einer Matratze. Deshalb hat sie überlebt.“

Ähnlich wie in Palu sieht es vermutlich an vielen anderen Orten entlang der Westküste von Indonesiens viertgrößter Insel aus. Weil die Beben die Straßen aufgerissen haben, kommt kaum jemand durch. Übers Wochenende gab es immer wieder Nachbeben. Alles in allem sind etwa 300 Kilometer Küste betroffen, mit mehr als 1,5 Millionen Menschen.

Viele dort leben von der Fischerei, in Donggala zum Beispiel, einer Gemeinde im Norden, etwa 20 Kilometer vom Epizentrum des schlimmsten Bebens. Touristen sind dort kaum unterwegs.

In dem Land mit 17 000 Inseln, die alle auf dem Pazifischen Feuerring liegen, der geologisch aktivsten Zone der Erde, haben sie mit Erdbeben Erfahrung. Erst kürzlich starben auf Lombok, der Nachbarinsel von Bali, mehr als 500 Menschen. Auch Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Alle erinnern sich jetzt auch wieder an den Tsunami an Weihnachten 2004. Indonesien hatte damals mehr als 160 000 Tote zu beklagen.

Durch das Beben sind viele Kommunikationsleitungen zerstört. Palus Flughafen ist aber wieder in Betrieb, trotz Schäden auf der Landebahn. Mit Transportflugzeugen fliegt das Militär Hilfsgüter ein. Auch andere Regierungen haben Hilfe zugesagt.

Inmitten des Leids hat schon eine Diskussion begonnen, ob alles getan wurde, um die Auswirkungen des Tsunamis möglichst gering zu halten. Die Behörden lösten zwar Tsunami-Alarm aus, hoben ihn nach nur 34 Minuten aber wieder auf – aus Sicht von Kritikern viel zu früh. Am Strand von Palu, wo viele auf den Beginn eines Festivals warteten, wurde überhaupt nicht gewarnt.

Ein Armeearzt untersucht nach dem Erdbeben ein verletztes Kind in einem Krankenhaus.
Ein Armeearzt untersucht nach dem Erdbeben ein verletztes Kind in einem Krankenhaus. FOTO: dpa / Tatan Syuflana