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Kommentar
Tradition ist nicht neutral

FOTO: Roby Lorenz / SZ
Von Werner Kolhoff

Die Botschaft des Martin von Tours, das Teilen des Mantels mit dem Bettler, ist religionsübergreifend. Mit den Martinszumzügen wird sie den Kindern vermittelt. Es ist eine schöne Tradition, die es ohne diesen Heiligen nicht gäbe. So wenig wie es das Zuckerfest ohne Ramadan gäbe. Und deswegen soll man solche Traditionen auch so bezeichnen: Nicht Lichterfest oder Sonne-Mond-Sterne-Fest. Das ist kurzsichtig und kulturlos. Denn mit dem Namen zerstört man den historischen Zusammenhang. Und letztlich das Ereignis selbst. Die DDR-Kommunisten haben in ihrem Wahn, der Gesellschaft die Religion auszutreiben, die „geflügelte Jahresendzeitfigur“ erfunden. Statt Engel. Dieser Versuch liegt mit ihnen im Papierkorb der Geschichte. Zu Recht.