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Kuriose Brandschutzmaßnahmen
Portugals Ziegen-Feuerwehr

Loriga. Bei den verheerenden Waldbränden kamen in dem südeuropäischen Land im vergangenen Jahr 64 Menschen ums Leben. In der Not setzt die Regierung jetzt auf Wiederkäuer. afp

Fernando Mouras Ziegen machen, was Ziegen am liebsten machen: sie fressen und fressen, den ganzen Tag. Nebenbei erledigen die 370 Tiere noch eine andere Aufgabe – sie schützen Portugal vor Waldbränden. In einem Pilotprojekt setzt die portugiesische Regierung Ziegenherden ein, die das leicht entzündliche Buschland abgrasen und so verhindern, dass sich Brände unkontrolliert ausbreiten. „Früher hatten wir nie so heftige Brände wie heutzutage“, sagt Moura. „Es gab tausende Tiere, die durchs Grasen aufräumten, und hunderte Hirten wie mich. Jetzt bin ich beinahe der letzte.“


Vergangenes Jahr kamen mehr als hundert Menschen in Portugal durch Waldbrände ums Leben. Die Regierung geriet in die Kritik, bei der Vorbeugung und Bekämpfung versagt zu haben. Das Pilotprojekt mit den Ziegen ist eine Reaktion darauf. Etwa 40 Herden im ganzen Land nehmen daran teil, rund 3,5 Millionen Euro stellt die Regierung bis 2022 dafür zur Verfügung.

Die Aufgabe von Moura und seinen Ziegen ist es, in den nächsten fünf Jahren 50 Hektar im Gebirge der Serra da Estrela von Gestrüpp zu befreien und so natürliche Feuerbarrieren zu schaffen. In dem zerklüfteten Gelände arbeiten Ziegen weit effektiver als Bulldozer. „Das ist die natürlichste und wirtschaftlichste Methode“, sagt Antonio Borges, Leiter der portugiesischen Naturschutzbehörde.



Jeden Tag zieht Moura in aller Frühe mit seiner Herde hinauf in die Berge des Nationalparks Serra da Estrela. Mit seinem dicken Wanderstock scheint der 49-Jährige genauso trittsicher beim Klettern wie seine Ziegen. Moura redet den Tieren gut zu und lenkt sie mit Pfiffen auf den richtigen Weg. 125 Euro bekommt er im ersten Jahr für jeden gesäuberten Hektar, in den folgenden vier Jahren sind es 25 Euro. Das ist ein kleines Zubrot für den Hirten, der sein Geld mit dem Verkauf von Milch, Käse und Fleisch verdient.

Viele Bewohner haben das bergige Binnenland in den vergangenen Jahren verlassen. Hauptsächlich ältere Menschen leben noch in den Dörfern. Die nun verwilderten Felder sind ein leichtes Fressen für die Flammen. „Es gibt jede Menge wilde Vegetation rund um die Dörfer“, sagt Moura.

Nach den verheerenden Bränden 2017 – damals kamen 64 Menschen ums Leben – kam Portugal dieses Jahr glimpflich davon. Niemand kam ums Leben und die verbrannte Fläche war 60 Prozent geringer als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. „Portugal bleibt gefährdet“, sagt Tiago Oliveira, der das von der Regierung eingesetzte Expertenteam zur Brandprävention leitet. 

Mouras Arbeitstag endet bei Sonnenuntergang. Nachdem er die Ziegen mit den Hütehunden in ihr Gehege gebracht hat, macht er sich auf den Weg zurück ins Dorf. Im Gepäck die Ziegenmilch, aus der seine Frau den Käse macht. „Ich mag meine Ziegen wirklich sehr“, sagt der Hirte. „Ich habe mal versucht, in der Fabrik zu arbeiten, aber das war nichts für mich. Ich könnte meine Ziegen nie aufgeben.“