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TV-Doku „Der Blaue Planet“
Neue Woge der Liebe für den Blauen Planeten

Faszination Meer: Die spektakuläre TV-Doku „Der Blaue Planet“ hat in Großbritannien eine neue Debatte über Umweltschutz ausgelöst.
Faszination Meer: Die spektakuläre TV-Doku „Der Blaue Planet“ hat in Großbritannien eine neue Debatte über Umweltschutz ausgelöst. FOTO: WDR/BBC/Lisa Labinjoh/Joe Platko
London. Eine Doku, die die Briten aufrüttelte, startet heute im deutschen Fernsehen. Von Katrin Pribyl

Jeden Sonntagabend versammelte sich die britische Nation vor dem Bildschirm, um abzutauchen. Vom Sofa aus in die leuchtende Tiefsee, durch farbenfrohe Korallenriffe, in den dichten Unterwasser­dschungel und in die dunkle, unbekannte Wasserwüste der Hochsee. Nach jeder Sendung diskutierte das Land über Teufelsrochen und Laternenfische. Über Dickkopf-Stachelmakrelen, die sich aus dem Wasser katapultieren, um Vögel im Flug zu fangen. Über Fische, die auf Felsen springen. Die sechsteilige BBC-Doku „Der Blaue Planet“ war im vergangenen Herbst umwerfendes Erlebnisfernsehen zur Musik des deutschen Komponisten Hans Zimmer. Heute Abend, 20.15 Uhr, startet die Naturserie, eine Koproduktion mit dem WDR, im Ersten – mit Schauspieler Axel Milberg (der Kieler „Tatort“-Kommissar) als Erzähler.


Vier Jahre lang besuchte das Film-Team auf 125 Expeditionen 39 Länder, filmte auf jedem Kontinent und in jedem Ozean mit Drohnen, Mini-U-Booten und Endoskopkameras. Heraus kamen atemberaubende Bilder, die es so noch nie zuvor gab. Produzent des Mammut-Projektes war James Honeyborne, selbst Biologe und passionierter Taucher. Am meisten freut ihn, dass die junge Generation genauso fasziniert ist wie die Alten, sagt er. Das gebe ihm Hoffnung für die Zukunft. „Die jungen Leute sind an der Umwelt interessiert, das ist eine globale Bewegung“.

In Großbritannien hat die BBC-Serie, die im Schnitt mehr als elf Millionen Zuschauer sahen, aufgerüttelt und den grünen Trend in alle Winkel des Königreichs verbreitet. Bilder von einem Baby-Pottwal mit Plastikeimer im Maul oder von Albatrossen, die ihre Jungen mit Plastik füttern, sorgten für Empörung. Der 91-jährige Sir David Attenborough, sowas wie der Opa aller Briten und Erzähler der britischen Ausgabe, mahnte: „Die Zukunft alles Lebens hängt jetzt von uns ab.“ Und Politiker wie Unternehmen, Privatleute wie Supermarktketten scheinen seinem Aufruf, den Kampf gegen Plastik zu intensivieren, folgen zu wollen. „Ich werde nie wieder eine Plastiktüte benutzen“, schrieb eine Engländerin auf Twitter. Und eine andere: „Ich weine fast, wir müssen etwas ändern“.



Es herrscht Aufbruchstimmung in einem Land, in dem Umweltstandards in der Vergangenheit vor allem wegen EU-Richtlinien erreicht wurden und die britische Politik sich vornehmlich zurückhielt. Doch in der Gesellschaft hat ein Umdenken eingesetzt. So feiern etwa Milchmänner eine Renaissance, die es auch auf die TV-Doku zurückführen, dass immer mehr Menschen morgens ihre Milch lieber in der Glasflasche vor der Tür wünschen als sie im Plastik-Behälter zu kaufen. Die Regierung bemüht sich zunehmend, umweltfreundliche Gesetze auf den Weg zu bringen. Premierministerin Theresa May kündigte kürzlich einen 25-Jahres-Plan an, mit dem der Verbrauch von Plastik drastisch gesenkt werden soll. So soll eine Abgabe auf Wegwerfverpackungen kommen; Supermärkte sollen „plastikfreie Regale“ einrichten. Tüten kosten bereits seit drei Jahren fünf Pence pro Stück. Seit Anfang des Jahres ist der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika verboten.

Weiter sind sie da schon in Cornwall im Südwesten Englands. Die Kleinstadt Penzance darf als erste im Königreich den offiziellen Status „plastikfrei“ tragen. Einzelhändler verzichten auf Tüten, Restaurants und Cafés ersetzen Plastik- durch Holzbesteck, Touristen trinken Kaffee aus kompostierbaren Bechern. Mehr als 100 weitere Gemeinden wollen dem bereits nacheifern. Die Briten haben ihre Liebe für den Umweltschutz neu entdeckt – auch dank „Der Blaue Planet“.

Auch Meeresschildkröten sind von Plastikmüll bedroht, wie die Doku unter anderem zeigt.
Auch Meeresschildkröten sind von Plastikmüll bedroht, wie die Doku unter anderem zeigt. FOTO: dpa / Jason Isley