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Kein Kontakt zur Außenwelt
Der Mann, der einsam im Regenwald lebt

Eine der seltenen Videoaufnahmen zeigt den Indio, der allein im brasilianischen Amazonas-Gebiet lebt. Sein Stamm wurde wohl vor Jahrzehnten getötet.
Eine der seltenen Videoaufnahmen zeigt den Indio, der allein im brasilianischen Amazonas-Gebiet lebt. Sein Stamm wurde wohl vor Jahrzehnten getötet. FOTO: dpa / -
Rio de Janeiro. Sein Volk wurde ausgelöscht, er ist wohl der letzte Überlebende. Aber auch der Einsiedler vom Amazonas ist in Gefahr, sagen Experten. dpa

(dpa) Mit kräftigen Schlägen treibt der halb nackte Mann seine Axt in den Baumstamm. Konzentriert geht er seiner Arbeit nach – ganz allein im tiefen Regenwald. Er ist wahrscheinlich der letzte Überlebende seines Volkes im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Jüngst veröffentlichte die Behörde für indigene Angelegenheiten (Funai) die seltenen Aufnahmen, die den Einsiedler zeigen.


„Es geht ihm gut, er jagt und pflegt seine Papaya- und Mais-Pflanzungen“, sagt Funai-Mitarbeiter Altair Algayer. „Er ist gesund und gut in Form.“ Der Mann gräbt tiefe Löcher, um Tiere zu fangen und sich zu verstecken. Außerdem hat er sich ein Haus mit Strohdach gebaut. Viel mehr ist über ihn nicht bekannt.

Menschenrechtler gehen davon aus, dass die übrigen Mitglieder des Stamms von Viehzüchtern getötet wurden, die in den 1970er und 1980er Jahren in das Tanaru-Gebiet im Bundesstaat Rondônia vordrangen. Die Region gilt als der Wilde Westen Brasiliens, wo Landkonflikte schnell mal mit der Waffe ausgetragen werden. Seit 22 Jahren ist der Mann wohl auf sich allein gestellt. Da er keinen Kontakt zu anderen Menschen sucht, beobachten ihn auch die Funai-Experten nur aus der Ferne. „Dieser Mann, der alles verloren hat, wie sein Volk und eine Reihe kultureller Praktiken, beweist, dass es möglich ist, allein im Wald zu überleben und sich der Mehrheitsgesellschaft zu widersetzen“, sagt Algayer. „Ich glaube, es geht ihm besser, als wenn er Kontakt aufgenommen hätte.“



Angehörige von isoliert lebenden Völkern geraten immer wieder in Gefahr, wenn sie in Kontakt mit anderen Menschen kommen. Häufig fangen sie sich Krankheiten ein, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Schon ganze Stämme sind von der Grippe und den Masern dahingerafft worden. Menschenrechtler und Aktivisten dringen deshalb darauf, den Schutz isoliert lebender Ureinwohner zu verbessern. „Unkontaktierte Völker sind keine primitiven Relikte einer fernen Vergangenheit. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein wesentlicher Teil der Vielfalt der Menschheit“, sagt Stephen Corry, Direktor der Organisation Survival International, die sich seit 1969 für den Schutz indigener Völker einsetzt. „Doch ihnen droht eine Katastrophe, wenn ihr Land nicht geschützt wird.“ Der Fall des „einsamsten Mannes der Welt“ zeige, wie schutzlos viele indigenen Stämme skrupellosen Holzfällern, Viehzüchtern und Kriminellen ausgeliefert sind. „Die schrecklichen Verbrechen, die gegen diesen Mann und sein Volk begangen wurden, dürfen niemals wiederholt werden. Dennoch droht zahllosen anderen unkontaktierten Völkern dasselbe Schicksal, wenn ihr Land nicht geschützt wird“, sagt Corry.