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| 20:46 Uhr

Wintersport
Lawinen-Alarm in den Alpen

Tiefverschneite Hütten im schweizerischen Bellwald, doch das Idyll trügt: Dieser Fußgänger kann sich in den Schneemassen kaum mehr fortbewegen, Lawinen bedrohen die Täler.
Tiefverschneite Hütten im schweizerischen Bellwald, doch das Idyll trügt: Dieser Fußgänger kann sich in den Schneemassen kaum mehr fortbewegen, Lawinen bedrohen die Täler. FOTO: Jean-Christophe Bott / dpa
Genf/Wien. Schneechaos in den Alpen: Viele Wintersport-Touristen sind derzeit eingeschneit. Zahlreiche Bahnlinien und Straßen sind gesperrt.

Unmengen Neuschnee verursachen in den Alpen  über Hunderte Kilometer höchste Lawinengefahr. Im Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) in Davos gehen stündlich Meldungen von herabstürzenden Schneemassen ein, wie Michael Bründl, Spezialist für Lawinendynamik und Risikomanagement, gestern sagte. Bahnlinien und Straßen sind in den gefährdeten Regionen gesperrt, so dass zunächst niemand zu Schaden kam. Auf so breiter Fläche sei die Lage seit 1999 nicht mehr so prekär gewesen, sagte Bründl. Angesichts der Schneemassen werden Erinnerungen an den Lawinenwinter vor 19 Jahren und die Tragödie von Galtür im österreichischen Tirol wach. Der Ort wurde damals nach wochenlangen Schneefällen von einer gewaltigen Lawine erfasst. 31 Menschen kamen uns Leben, Dutzende wurden verletzt, viele Häuser wurden zerstört. „Man ist natürlich angespannt, die Situation ist kritisch“, sagt Bründl. „Die Lawinen gehen eigentlich immer an den gleichen Orten ab, aber in so einer Lage wird man fast immer irgendwo überrascht.“

In der Schweiz gab es man­cherorts innerhalb einer Woche drei Meter Neuschnee. In vielen Regionen Österreichs hat es bereits mehr geschneit als sonst im gesamten Winter. „Die Summe aller Neuschnee-Mengen liegt zum Beispiel in Langen am Arlberg derzeit bei rund 480 Zentimeter, im vieljährigen Mittel sind es hier im gesamten meteorologischen Winter 447 Zentimeter“, sagte Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

In den Alpenländern sind Dutzende Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Dort sitzen auch Tausende Wintertouristen fest. „In unserer Lobby haben viele Gäste die Karten herausgeholt, hier wird gespielt“, sagt Jürgen Marx, Direktor des Vier-Sterne-Hotels Schweizerhof in Zermatt. Die Bahnverbindung in den auto­freien Ort ist unterbrochen, wie vor zwei Wochen schon. „Aber die Stimmung ist gar nicht so dramatisch“, sagt der gebürtige Schwarzwälder. Im Schweizerhof gibt es Gratishäppchen, am Nachmittag zusätzlich einen Fondue-Plausch mit traditioneller Musik. „Panik haben wir nicht.“ Nur wenn die Lage länger dauere, werde es schwierig: „Es sitzen ja auch einige unserer Mitarbeiter in Täsch fest.“ Täsch ist der letzte Ort vor Zermatt, der auf dem Landweg noch erreicht werden kann. Wenn die Sicht gut ist, können sich Urlauber mit dem Hubschrauber dorthin fliegen lassen.

Wie Zermatt sind in der Schweiz auch die Wintersportorte Andermatt und Wengen und das Saastal abgeschnitten, in Graubünden verkehrt der Zug nach St. Moritz nicht mehr. 9000 Touristen sitzen in Zermatt fest. St. Anton, Lech und Zürs am Arlberg in Österreich – alles nicht mehr erreichbar. Im hinteren Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür sitzen 10 000 Urlauber fest.

„Für alpine Täler ist die Lage nichts Ungewöhnliches, die waren früher manchmal wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten“, sagte Ivo Schreiner von der Tiroler Wildbach- und Lawinenverbauung.  Bei großer Gefahrenlage würden Menschen in Sicherheit gebracht.

Touristen stehen mit ihrem Gepäck in Täsch (Schweiz), um per Hubschrauber nach Zermatt zu fliegen. Der Ort ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten.
Touristen stehen mit ihrem Gepäck in Täsch (Schweiz), um per Hubschrauber nach Zermatt zu fliegen. Der Ort ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. FOTO: Dominic Steinmann / dpa
Die Straße von Täsch nach Zermatt ist wegen Lawinengefahr gesperrt.
Die Straße von Täsch nach Zermatt ist wegen Lawinengefahr gesperrt. FOTO: Philippe Mooser / dpa