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Kritik der Kirchen
Beginnen Weihnachtsmärkte viel zu früh?

Der Dresdner Striezelmarkt (hier 2017) öffnet am 28. November. Anderswo laufen die Märkte bereits – was die Kirchen auf die Palme bringt.
Der Dresdner Striezelmarkt (hier 2017) öffnet am 28. November. Anderswo laufen die Märkte bereits – was die Kirchen auf die Palme bringt. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Essen. In einigen deutschen Städten ging es dieses Jahr weit vor dem 1. Advent los. Das ist unpassend, klagen die Kirchen. Von Gregor Tholl, dpa

(dpa) In den meisten Städten öffnen die Weihnachtsmärkte erst nach Totensonntag. So geht es am kommenden Montag (26. November) beispielsweise in Frankfurt, Berlin, Potsdam, Hamburg, Bielefeld, Lübeck oder auch am Kölner Dom los mit Glühwein und Co. Der Nürnberger Christkindlesmarkt beginnt sogar erst Ende nächster Woche (30. November).


Schon seit diesem Donnerstag aber sind zum Beispiel in Freiburg, Bochum und Dortmund die Weihnachtsmärkte am Start. Noch früher, nämlich mehr als zwei Wochen vor dem 1. Advent, schon am 16. November, ging es in Essen los – so früh wie noch nie.

Das führt zu Kritik. Zum Beispiel bei Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen: „Wir wollen gar nicht die Spielverderber sein, die sich alle Jahre wieder gegen zu frühe Weihnachtsmärkte aussprechen.“ Die Märkte seien heute vor allem Marketinginstrument, um Menschen in die City zu locken. „Uns als gläubigen Christen ist es wichtig, bei all der Markttreiberei darauf hinzuweisen, dass Weihnachten nicht irgendeine kulturelle Lichtfeier am Jahresende ist, sondern das Fest der Geburt Jesu.“



Lota erläuterte: „Ich habe auch den Eindruck, dass viele das spüren, dass es im November, einem Monat, der von der Erinnerung an die Toten geprägt ist, mit Tagen wie Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag, für Weihnachtsfeiern noch viel zu früh ist. Gut besucht kommen mir sehr frühe Adventsmärkte jedenfalls nicht vor.“ Alles habe seine Zeit und das Leben sei nicht 365 Tage im Jahr Party.

„Alles hat seine Zeit“, sagt auch Andreas Duderstedt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Die Vorfreude auf das Besondere, das regelmäßig wiederkehrt, der Unterschied zwischen
Alltag und Festtag, Arbeit und Entspannung, fröhlichem Feiern und stillem Gedenken – das ist wohltuend für alle.“ Diesem Grundgedanken folge auch das Kirchenjahr. „Wenn die Adventszeit immer mehr ausgeweitet wird, verliert sie das Besondere. Sie wird alltäglich.“

Die Ruhrgebietsstadt Essen war übrigens nicht allein mit dem sehr frühen Weihnachtsmarktbeginn. Auch im katholisch geprägten Österreich ging es früh los. So begann der Wiener Weihnachtstraum auf dem Rathausplatz gegenüber vom Burgtheater auch schon am 16. November.

Und in Franken wurde bei spätsommerlichen fast 20 Grad schon am 18. Oktober das Bayreuther Winterdorf eröffnet. Damals hieß es stolz, man sei wieder einmal der erste Weihnachtstreff „in ganz Deutschland und sicher auch in Europa“. Noch bis Silvester können Besucher dort verschiedene Glühwein- und Punschsorten probieren.