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Anwohner haben genug
Keine Ruhe um toten George Michael

Zu seinem ersten Todestag legten viele Menschen Bilder und Blumen vor dem Haus von George Michael ab. Dass täglich Besucher kommen, beginnt nun, die Anwohner zu stören.
Zu seinem ersten Todestag legten viele Menschen Bilder und Blumen vor dem Haus von George Michael ab. Dass täglich Besucher kommen, beginnt nun, die Anwohner zu stören. FOTO: Steve Parsons / dpa
London. Seit George Michaels Tod pilgern täglich Menschen zu einem Platz nahe seines früheren Hauses. Viele Anwohner haben nun aber genug davon.

Sonntags ist besonders viel los. Dann strömen Fans von George Michael aus aller Welt an jenen Ort, an dem sie sich dem verstorbenen Sänger und Komponisten besonders verbunden fühlen. Hier, im Nord-Londoner Stadtteil Highgate, ist ein kleiner Garten gegenüber seines ehemaligen Wohnhauses zur Pilgerstätte umfunktioniert worden. Schon wenige Stunden, nachdem der Tod des 53-Jährigen am 26. Dezember 2016 verkündet wurde, kamen Trauernde – tagelang, wochenlang, monatelang. Bis heute legen täglich Menschen Blumen nieder, zünden Kerzen an, bringen Erinnerungsstücke und dekorieren mit viel Liebe zum Detail die einzelnen gräberähnlichen Bereiche. Der Grünstreifen, im Besitz von Michaels Erben, hat sich zu einem ungewöhnlichen Gedenkgarten entwickelt. „Hier fühlen wir uns George Michael besonders nahe und können zusammen trauern“, sagt Tonia Katsantonis, eine jener Frauen, die hier aus Liebe zu dem Wham!-Sänger mehrmals pro Woche nach dem Rechten sehen. Sie ist stolz auf den Garten und darauf, dass Menschen aus Deutschland, Indien oder Australien extra nach Highgate reisen, um ihrem Idol Tribut zu zollen. In den Bäumen wehen aufgehängte Briefe, am Zaun sind Flaggen aus aller Welt angebracht, gerahmte Songtexte stehen inmitten von Pflanzen und bunten Herzluftballons. Das Gras ist längst von den Besucherströmen zertrampelt.


Doch nun regt sich Widerstand in dem schicken und teuren Stadtteil, wo Prominente wie Starkoch Jamie Oliver und Schauspieler Jude Law leben und Supermodel Kate Moss oder Sänger Sting früher einmal ihr Zuhause hatten. Einige Nachbarn bezeichneten den reichlich geschmückten Erinnerungsgarten als „dauerhaften Schandfleck“. Und immer mehr wollen ihn entfernt sehen. Ein lokaler Naturschutzverein, der beratend wirkt, beklagte das „schreckliche Chaos“ und meinte, die Fans hätten ihren Moment gehabt, nun aber müsse Schluss sein. „Man fragt sich, was George Michael davon halten würde, außerhalb seines schönen Hauses, um das er sich so gekümmert hat“, sagt Susan Rose, Vorsitzende des Vereins. Der Wunsch einiger Fans, eine George-Michael-Statue aufzustellen, sei „problematisch“, hieß es von den lokalen Behörden. Nachdem die Familie des Sängers angedeutet hat, dass der Künstler solch ein formales Denkmal als „peinlich“ empfunden hätte, wurde eine entsprechende Petition vorerst zurückgezogen.

Aufgeben wollen die Anhänger von Michael jedoch nicht. „Wir vermissen ihn, seine Stimme und Musik“, sagt eine Engländerin, die Michaels Musik als „den Soundtrack ihres Lebens“ beschreibt. „Das hier ist ein sehr besonderer Ort, wo sollen wir sonst hin?“ Den Garten im Andenken an Michael, der „viel für Highgate getan hat“, wie die Bewohner betonen – ob als Spender für lokale Wohltätigkeitsorganisationen oder als Organisator von Musikveranstaltungen in der Gegend – besuchen mittlerweile mehr Menschen als das nur um die Ecke liegende Grab von Karl Marx. Immerhin, bei einem ist sich die Trauergemeinde einig: Die endgültige Entscheidung über die Zukunft ihres Erinnerungsortes liege bei George Michaels Familie.

George Michael, Sänger der Gruppe „Wham!“.
George Michael, Sänger der Gruppe „Wham!“. FOTO: Ade Johnson / dpa