| 20:56 Uhr

Moorbrand
Kein Ende im Emsland – und eine Entschuldigung

Besorgte Gesichter: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, M.) machten sich ein Bild von dem Moorbrand auf dem Bundeswehr-Gelände.
Besorgte Gesichter: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, M.) machten sich ein Bild von dem Moorbrand auf dem Bundeswehr-Gelände. FOTO: dpa / Mohssen Assanimoghaddam
Meppen. Seit Wochen wütet ein Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände in Niedersachsen. Die Verteidigungsministerin gesteht nun Fehler ein. dpa

Auch drei Wochen nach Ausbruch des Moorbrandes auf einem Bundeswehrgelände im Emsland ist ein Ende des Großeinsatzes gegen Rauch und Flammen nicht in Sicht. „Der Regen verursacht eine gewisse Entspannung“, sagte ein Sprecher des Landkreises gestern. „Wir können aber nicht von einer nachhaltigen Entspannung sprechen.“ Der am Freitag vom Landkreis ausgerufene Katastrophenfall dauerte daher auch gestern an. Mit Evakuierungen von Ortschaften nahe dem Gelände sei derzeit aber nicht mehr zu rechnen, sagte der Sprecher. Die Bundeswehr teilte mit, dass die Lage „weiter stabil und das Feuer unter Kontrolle“ seien. 1252 Einsatzkräfte kämpften gegen den Brand im Moor.


Die Feuerwehren der Region löschen seit Wochen ein Feuer, das die Bundeswehr verursacht und selber nicht mehr in den Griff bekommen hat. „Wir werden lange arbeiten müssen, um diese Scharte wieder auszuwetzen“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Samstag bei ihrem Besuch auf der Dienststelle WTD 91 ihrer Truppe gleich mehrfach. Die Chefin der Truppe fuhr aber auch ins benachbarte Örtchen Stavern, das am nächsten an dem Moorbrand gelegen ist. Die CDU-Politikerin räumte Fehler ein. „Im Namen der Bundeswehr möchte ich mich bei den Bürgern der Region entschuldigen, dass diese Fehler geschehen sind.“

Von der Leyen sprach auch den ehrenamtlichen Helfern der Feuerwehren, des Technischen Hilfsdienstes und des Roten Kreuzes Dank aus. „Sie haben tagelang wirklich das Schlimmste verhindert. Es war beeindruckend, wie Sie alle zusammengestanden haben.“ Nun suche die Bundeswehr den Schulterschluss mit den Helfern und der Region.



Seit dem 3. September schwelt der Brand auf dem mit Munitionsresten übersäten Testgelände. Daher gebe es Probleme, das unterirdisch schwelende Moor zu löschen, sagt Andreas Sagurna. Er ist der Direktor des Zentrums Brandschutz der Bundeswehr, also der oberste Feuerwehrchef der Streitkräfte. „Das Besondere ist die Tiefe in zwei bis acht Metern, und das Besondere ist auch die Munitionskontamination. Das heißt, ich kann nicht einfach drauffahren mit einem Fahrzeug, weil dort Munition liegt“, sagt der Experte. Er setzt auf Infrarot-Aufnahmen eines Tornado-Jets, der am Samstagnachmittag über das Gelände flog. Der Flieger sollte Wärmebildaufnahmen des Moorgebietes liefern, um Glutnester im Boden zu sichten. Die Bilder werden derzeit ausgewertet, hieß es gestern.

Am 3. September hatte die Bundeswehr auf dem Gelände Raketenmunition für den Kampfhubschrauber Tiger getestet. Von der Leyen sprach an, was wohl die meisten Menschen in der Region denken: Muss man einen solchen Test ausgerechnet dann machen, wenn die ganze Region seit Monaten unter einer nie gekannten Dürre-Periode leidet und das Moor zundertrocken ist? Das sei möglicherweise ein Fehler gewesen, bekannte von der Leyen. Aber es gab noch mehr Pannen. So hat die Bundeswehr erst sehr spät externe Hilfe angefordert. Moorbrände kennen die Emsländer – sie kommen immer wieder vor und waren auch gerade in diesem heißen Sommer keine Seltenheit. Aber dann wird rasch gelöscht. Freiwillige Feuerwehren sind schnell zur Stelle und helfen über Orts- und Landkreisgrenzen hinweg. Auch die Landwirte packen mit an.

„Einer der Fehler bestand sicherlich darin, dass nicht schnell genug die Hilfe der Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden gerufen wurde“, gab von der Leyen bei ihrem Besuch zu. Das hätte Schlimmeres sicherlich verhindert, sagte sie.

Das soll sich ändern, versprach die Ministerin und kündigte Transparenz bei der Aufarbeitung der Panne an. Dann reiste Ursula von der Leyen wieder aus Meppen ab – und eine halbe Stunde begann die Hilfe von oben. Kurz nach dem Besuch setzen die ersten Regenfälle im Emsland ein – und jeder Tropfen hilft, die Brände einzudämmen.