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Kampf den Handtüchern

Mein Handtuch, mein Platz? Am Mittelmeer wird diese Unsitte jetzt bestraft. Foto: Dobel/dpa
Mein Handtuch, mein Platz? Am Mittelmeer wird diese Unsitte jetzt bestraft. Foto: Dobel/dpa FOTO: Dobel/dpa
Madrid/Rom. Handtuch an Handtuch: Im Sommer tobt an Stränden Spaniens und Italiens ein Kampf um die besten Plätze. Viele Urlauber legen schon frühmorgens ihre Sachen als Platzhalter aus. Damit ist jetzt vielerorts Schluss. den dpa-Mitarbeiterinnen Carola Frentzen,Sabine Dobel

Ein typischer spanischer Strand am Mittelmeer, sieben Uhr morgens, noch ist die Luft angenehm kühl. Vollgepackt ziehen Touristen über den feuchten Sand, im Schlepptau bunte Sonnenschirme , Strandliegen, Klapp- stühle und Plastiktische. Sie marschieren schnurstracks bis zum Wasser und suchen nach dem perfekten Platz an der Sonne. Nachdem sie die Schirme aufgespannt und die Stühle aufgestellt haben, gehen sie wieder. Oft kommen sie erst am Mittag wieder, denn ein Plätzchen in der ersten Reihe haben sie ja sicher. Oder nicht?


In immer mehr Badeorten riskieren Urlauber nun, bei der Rückkehr vergeblich nach ihrem Schirm zu suchen. Denn viele Gemeinden auf der iberischen Halbinsel haben die schamlose Unsitte satt und wollen der Strandparzellenreservierung den Garaus machen. Unter anderem lassen sie das über Stunden verwaiste Strandmobiliar jetzt konfiszieren. Zudem drohen Geldstrafen - bis zu 720 Euro, wie die Zeitung "El País" vor wenigen Tagen meldete. Und auch in Italien hat die Küstenwache den Platzhaltern den Krieg erklärt.

Nicht nur typisch deutsch



Lange schien die frühmorgendliche Reservierung von Liegen an Pool und Strand traditionell ein deutsches Phänomen zu sein. Erst im vorigen Jahr hatte aber eine Umfrage ergeben, dass die Briten die Deutschen scheinbar noch toppen und fast doppelt so oft ihre Sonnenliege mit Handtüchern markieren. Dass auch Spanier und Italiener im Kampf um den besten Strandabschnitt mitmischen, dürfte vielen neu sein - aber gerade in diesem Jahr habe sich die Unsitte verbreitet, sagt ein Mitarbeiter der Küstenwache in Ostia bei Rom. "Es ist dieses Jahr etwas schlimmer als sonst."

Gelegentlich greift Italiens "Guardia Costiera" bereits hart durch. So beschlagnahmte sie kürzlich in Cecina in der Provinz Livorno 37 Liegestühle, 30 Sonnenschirme sowie zahlreiche Handtücher . Die Besitzer reagierten empört. "Sie können uns nicht wie Touristen zweiter Klasse behandeln, auch wir bringen der Region Geld und Wohlstand", zitierte die Zeitung "Il Tirreno" erboste Badegäste.

Die Küstenwache konterte, das Reservieren von Plätzen an den freien Stränden sei "Ausdruck von Sittenlosigkeit und mangelndem Respekt gegenüber Urlaubern, die sich an die Vorschriften halten". Denn der Strand ist staatliches Eigentum - und der Zugang für jeden frei. Wer dagegen verstößt, muss auch im Stiefelstaat mit saftigen Strafen rechnen: Bis zu 200 Euro kann das wilde Reservieren hier kosten.

Die Aktion steht im Kontext der italienischen Sicherheitskampagne "Sicheres Meer 2016". Diese habe sich auch zum Ziel gesetzt, den öffentlichen Zugang zu den Stränden als Gemeinschaftseigentum durchzusetzen, unterstreicht die Küstenwache . Denn das Meer lockt auch Geschäftemacher.

Eine neue Masche gibt es offenbar beim Verleih von Sonnenschirmen, die der Badegast normalerweise an einer Sammelstelle mitnimmt und abends zurückbringt. Inzwischen stellten manche Vermieter selbst die Schirme an besonders begehrten Stellen auf und vermieteten den "Logenplatz" gleich mit - gegen Aufpreis.