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Silvester
Klöckner lehnt Böllerverbot ab

Hamburg/Berlin. Ministerin sieht Vorstoß der Umwelthilfe kritisch und spricht von „Bevormundung“. dpa

Der Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe für schärfere Vorschriften gegen Silvesterböller stößt bei CDU-Politikerin Julia Klöckner auf Ablehnung. Die geltenden Regeln reichten aus, findet die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. „Dass es immer wieder Deppen gibt, die sich nicht daran halten, kommt leider auch in anderen Bereichen des Alltags vor“, sagte sie dem „Spiegel“. Der Ansatz der Umwelthilfe sei „Bevormundung“ und beeinträchtige das „Verantwortungsbewusstsein“ der Bürger.


Die Umwelthilfe hatte gefordert, Feuerwerk aus Innenstädten mit hoher Feinstaubbelastung zu verbannen. Jedes Jahr werden außerdem Hunderte Menschen an Silvester verletzt. Zum Jahreswechsel setzen Feuerwerkskörper laut Umwelthilfe in wenigen Stunden 5000 Tonnen Feinstaub frei. Dies entspricht etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Die Umwelthilfe spielt besonders in der Dieselkrise eine große Rolle. Sie hat mit Klagen Fahrverbote für ältere Dieselautos in Großstädten erwirkt.

Der Verkauf von Silvester-Feuerwerk hat am Freitag begonnen. „Wir hoffen, dass der Vorjahresumsatz von 137 Millionen Euro auch in diesem Jahr erreicht werden wird“, teilte der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit. Der Verkauf von Feuerwerk der Kategorie F2 – dazu zählen Raketen, Batterien und Knallkörper – ist dieses Jahr bereits seit dem 28. Dezember erlaubt, da einer der gesetzlich vorgesehen Verkaufstage auf einen Sonntag fällt.



Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst warnte vor Leichtsinn im Umgang mit Knallern und Raketen. Insbesondere illegale Feuerwerkskörper aus dem Ausland, wie sogenannte Polenböller, seien lebensgefährlich. Wegen der Folgen für kleine Kinder, Senioren und chronisch Kranke hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dazu aufgerufen, weniger Feuerwerk einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Diese Gruppen litten zu Beginn des neuen Jahres besonders häufig unter Husten und Atembeschwerden, es komme vermehrt zu Krankenhauseinlieferungen.