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Großalarm in Halle A

Aufruf zur Räumung: Tausende Passagiere strömten gestern Morgen aus Halle A des Frankfurter Flughafens; es bildeten sich lange Schlangen. Zu einer Panik kam es aber nicht. Foto: Roessler/dpa
Aufruf zur Räumung: Tausende Passagiere strömten gestern Morgen aus Halle A des Frankfurter Flughafens; es bildeten sich lange Schlangen. Zu einer Panik kam es aber nicht. Foto: Roessler/dpa FOTO: Roessler/dpa
Frankfurt. Deutschlands größter Flughafen hat schon viel erlebt. Doch die Evakuierung einer kompletten Flughalle kommt nicht alle Tage vor. Als eine Frau unkontrolliert in den Sicherheitsbereich gelangt, bricht der Alarm los. den dpa-Mitarbeitern Ira Schaible,Michael Bauer

Für rund drei Stunden herrscht gespenstische Stille in der Abflughalle A - und das zur besten Reisezeit. Kein Passagier weit und breit, stattdessen durchsuchen schwerbewaffnete Polizisten die Gänge. Grund des Ausnahmezustands: Eine Frau ist an der Sicherheitsschleuse einfach weitergegangen, ohne dass die Kontrolle beendet war. Die Polizei reagiert auf den Zwischenfall gegen neun Uhr mit einem Großalarm. Binnen kurzer Zeit muss die vor allem von der Lufthansa genutzte Halle A vorsorglich komplett geräumt werden. Dabei spielen sich Szenen ab, wie sie selbst an Deutschlands größtem Flughafen, an dem Gewusel und Gedränge zum Alltag gehören, nur ganz selten zu erleben sind. Eine unübersehbare Menge quillt aus den zahlreichen Gängen hervor, staut sich in der riesigen Halle und wälzt sich schließlich den Ausgängen entgegen. Was dabei auffällt: Die Menschen reagieren besonnen, eine Panik bleibt aus.


Die Polizei nutzt derweil die Räumung für ihre Fahndung nach der verdächtigen Frau. Und die Ermittler haben schnell Erfolg: Die Verdächtige geht den Beamten ins Netz. Womöglich basiert alles auf einem Missverständnis. Nachdem die mit zwei Kindern reisende Frau identifiziert und festgehalten worden sei, habe sie angegeben, sie habe die Kontrolle für beendet gehalten, sagt am Abend ein Sprecher der Bundespolizei . Sie durfte ihre Reise fortsetzen.

Die meisten Passagiere haben trotz der ganzen Unannehmlichkeiten der Evakuierung Verständnis für das Vorgehen der Polizei und des Flughafenbetreibers Fraport. "Wir lesen doch jeden Tag, dass irgendwo was ist. Also lieber ein wenig vorsichtig sein", sagt Passagier Knut Freydank. Damit spricht er vielen aus der Seele. Aber auch Kritik ist vereinzelt zu hören. "Es gibt keine Informationen, und die Durchsagen sind in der Regel nicht zu verstehen", beschwert sich Passagier Roman Bienen. "Keiner weiß, wie lange das dauert, und keiner sagt was. Fraport verweist auf die Polizei - und die Polizei sagt nichts." Ein "Trauerspiel der Polizei " sei das.



Die Evakuierung hat nach Ansicht von Passagier Peter Schröder zu lange gedauert. "Ich möchte nicht wissen, was los ist, wenn wirklich mal was passiert. Eine Informationspolitik war zunächst nicht vorhanden." Und noch etwas fiel ihm auf: "Die Mitarbeiter in den Geschäften in Halle A waren schneller raus als die Passagiere ." Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD ), der zu den Gestrandeten gehört, bricht dagegen eine Lanze fürs Personal am Airport. "Das ist natürlich nicht schön, wenn man jetzt so überrascht wird. Aber hier ist große Gelassenheit. Die Beschäftigten des Flughafens und der Polizei machen einen guten Job."

Gelassenheit - das scheint das Motto zu sein: Auf dem sonnigen Asphalt vor dem Terminal versuchen die aus dem klimatisierten Gebäude verbannten Flugreisenden, sich so gut wie möglich einzurichten. Man weiß ja nie, wie lange so etwas dauert. So wird der Koffer zur Rückenlehne oder zum Hocker. Schon nach rund drei Stunden geht der Spuk allmählich vorüber: Die Absperrbänder werden entfernt, die ersten Passagiere dürfen wieder in die Halle zurück.

Der Flug in den Urlaub kann mit einiger Verspätung beginnen - oder das Zittern, ob überhaupt alles wie geplant noch möglich ist. Denn zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen sind die Folge des Alarms.