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Rote Liste gefährdeter Tierarten
Größtes Artensterben seit Dinosauriern

Seit den 90er Jahren hat sich die Zahl der Koalas in Australien um 80 Prozent reduziert. Sie gehören damit in einer Bilanz des WWF eindeutig zu den Verlierern im Artenschutz 2017.
Seit den 90er Jahren hat sich die Zahl der Koalas in Australien um 80 Prozent reduziert. Sie gehören damit in einer Bilanz des WWF eindeutig zu den Verlierern im Artenschutz 2017. FOTO: Warwick Sloss / dpa
Berlin. Die Liste der bedrohten Tierarten war noch nie so lang. Viele Tiere kämpfen ums Überleben, sagen Experten. Aber wenigen gefährdeten Arten geht es auch langsam besser.

Eine Wiese auf der sich im Sommer Grillenzirpen, Glühwürmchen und Bienen tummeln, könnte schon bald ein Bild der Vergangenheit sein. Denn neue Zahlen zum Schwund von Insekten haben Naturfreunde in diesem Jahr erschüttert. Auch im Ausland häufen sich die Negativ-Nachrichten. Die Internationale Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sei nun so lang wie nie zuvor mit 25 800 bedrohten Tier- und Pflanzenarten, teilte die Umweltstiftung WWF gestern mit. Der Mensch verursache damit das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier. Bei wenigen gefährdeten Arten gehe es aber langsam wieder bergauf.



FISCHOTTER: Früher ging es ihm an den Pelz, das Aussterben stand bevor. Inzwischen sieht der WWF ein „Comeback“ der guten Schwimmer, auch wenn die Zerschneidung der Landschaft weiterhin eine Bedrohung darstelle. Nach Daten des Deutschen Jagdverbands sind Fischotter vor allem im Nordosten Deutschlands wieder vielerorts heimisch.

GEPARDEN: Prekärer steht es einem Forscherteam zufolge um Geparden im südlichen Afrika. Nur knapp ein Fünftel dieser Tiere lebe in anerkannten Schutzgebieten. Die Mehrheit komme Farmern in die Quere, die gegen die schnellen Raubkatzen vorgehen. Wissenschaftler vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) empfahlen kürzlich, den Status von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ hochzusetzen.



SCHUPPENTIERE wie der Pangolin: Nie gehört? In Asien gilt das Fleisch als Delikatesse, die Schuppen werden als Heilmittel genutzt. Laut WWF sind Schuppentiere die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt. Trotz eines Handelsverbots seit Januar 2017 würden Behörden in Afrika und Asien tonnenweise Schuppen und hunderte Pangoline beschlagnahmen.

MEERESSCHILDKRÖTEN: Die Tiere mit Panzer und Paddeln werden in vielen Gebieten wieder zahlreicher, wie der WWF berichtet. Sie seien allerdings nach wie vor gefährdet, als Beifang im Netz von Fischern zu landen.

KOLAS: Zu den als behäbig geltenden Eukalyptus-Fans hat der WWF keine schönen Zahlen: Sage und schreibe 80 Prozent der Koalas seien in einigen Regionen Australiens seit den 90er Jahren verschwunden weil Wälder gerodet worden seien. Hinzu komme der Klimawandel.

SEEPFERDCHEN: Auch diese kleinen Meerestierchen landen laut WWF öfter im Beifang. Zudem zerstörten zu große Düngermengen, der Klimawandel und Grundschleppnetze die Lebensräume. Die Bestände der beiden einzigen Seepferdchenarten Europas seien im Mittelmeer um bis zu 30 Prozent gesunken.

FLIEGENDE INSEKTEN: Um mehr als drei Viertel nahm deren Gesamtmasse in den vergangenen 27 Jahren ab, wie Wissenschaftler in diesem Herbst im Fachmagazin „PLOS One“ berichteten. Was die Ursache für den Schwund sein könnte, muss noch untersucht werden. Naturschützer machen die intensive Landwirtschaft verantwortlich – aber auch das Klima.

AFRIKANISCHE ELEFANTEN: Die Dickhäuter stehen unter Druck. Die Bestände schrumpften in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 100 000 Tiere. Als „dramatisch“ bewertet die Stiftung die Lage zentralafrikanischer Waldelefanten. Im Untersuchungsgebiet gingen die Bestände demnach zwischen 2008 und 2016 um 66 Prozent auf weniger als 10 000 Individuen zurück. Noch immer geht es Wilderern um das wertvolle Elfenbein.

Der Fischotterbestand in Deutschland erholt sich langsam.
Der Fischotterbestand in Deutschland erholt sich langsam. FOTO: Lino Mirgeler / dpa