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| 19:54 Uhr

Freie Fahrt für Brügges Bier

Das malerische Brügge ist bald um eine Attraktion reicher: eine Bier-Pipeline. Foto: Fotolia
Das malerische Brügge ist bald um eine Attraktion reicher: eine Bier-Pipeline. Foto: Fotolia FOTO: Fotolia
Brügge. 4000 Liter pro Stunde: So viel Bier schießt bald durch eine drei Kilometer lange Leitung in der belgischen Stadt Brügge. Eine Brauerei löst so ein logistisches Problem – und beteiligt auch Bürger an der spritzigen Idee. dpa-Mitarbeiterin Amelie Richter

Wer Bier liebt, hatte vielleicht schon einmal diesen Traum: Aus dem Hahn sprudelt plötzlich kein Wasser mehr, sondern frisch prickelndes Bier . Direkt aus einer eigenen Leitung. In der flämischen Klein- stadt Brügge träumt Xavier Vanneste nicht länger von der Bierleitung - er hat sie gebaut. Der Besitzer der Traditionsbrauerei De Halve Maan ließ drei Kilometer lange Rohre unter der von der Unesco als Weltkulturerbe geschützten Stadt verlegen. Das Projekt klingt abenteuerlich, hat aber wirtschaftliche Gründe. De Halve Maan - flämisch für Halbmond - braut zwischen Grachten, Souvenirläden und Pommesbuden direkt im mittelalterlichen Stadtkern von Brügge . Seit 500 Jahren werde hier schon Bier produziert, erklärt Vanneste, der das Unternehmen in der sechsten Generation führt.

Die Steigerung der Produktion in den vergangenen Jahren brachte Probleme mit sich: In der kleinen Brauerei war nicht mehr genügend Platz, um alle Flaschen abzufüllen, weshalb das Unternehmen eine Abfüll-Fabrik etwa drei Kilometer außerhalb des Stadtkerns in einem Industriegebiet baute. Seitdem poltern jeden Tag vier bis fünf Tanklaster mit je etwa 30 000 Litern Bier über das Kopfsteinpflaster. Die etwa 600 Jahre alte Gassen-Struktur ist eng und verwinkelt. Vor allem im Sommer sind viele Touristen auf den Straßen unterwegs. Vanneste träumt von einer praktischeren Lösung. Als er Bauarbeiter ein Kabel verlegen sieht, kommt ihm die Idee: Eine unterirdische Rohrleitung, von der Brauerei bis zur Abfüll-Fabrik. So ließen sich drohende Probleme mit dem Verkehr vermeiden. Mit der Bierleitung könnte das Unternehmen im historischen Stadtkern bleiben.

Gut vier Jahre dauerten die Planung und der Bau der Bierleitung. "Technisch war das nicht kompliziert, es ist das gleiche Verfahren wie beim Verlegen von Leitungen für Trinkwasser", sagt Vanneste. Die Rohre wurden unterirdisch durch den Boden geschoben. Vier Millionen Euro investierte Vanneste in das Projekt.

Die Rohre aus besonders hartem Plastik sind lebensmittelfreundlich, können gereinigt und keimfrei gemacht werden. Ab September sollen nun pro Stunde 4000 Liter Bier durch sie schießen. 12 000 Flaschen können damit gefüllt werden. Ganz ohne Laster wird die Bierproduktion auch künftig nicht funktionieren, die Zutaten müssen zur Brauerei gebracht werden.

Der Bürgermeister von Brügge , Renaat Landuyt, war zunächst weniger begeistert, als er von der Idee hörte. "Was mein erster Gedanke war? Das ist ein Witz", sagt Landuyt. Nach einiger Bedenkzeit sah er darin aber eine gute Möglichkeit, das Verkehrsproblem zu lösen. Im Stadtkern wohnen etwa 18 000 Einwohner. "Und genauso viele Besucher haben wir zusätzlich jeden Tag", sagt Landuyt. Pro Jahr kommen mehr als sechs Millionen Touristen in die Stadt mit insgesamt 180 000 Einwohnern. Dass das Projekt viel Aufmerksamkeit bekomme, sei natürlich auch kein Nachteil. In Europa sei die Bierleitung die erste in dieser Länge.

Die Brügger selbst haben auch was davon, denn finanziert wurde die Pipeline teils durch Crowdfunding. Jeder, der mit in die Leitung investierte, bekommt künftig Bier als Gegenleistung, je nach Höhe des Beitrags. Für den Maximalbetrag von 7500 Euro erhält ein Investor jeden Tag eine Flasche Bier - bis an sein Lebensende. Übrigens: Die Bierleitung ist sicher vor illegalen Zapfern. Versuch zwecklos, sagt Vanneste.