| 20:49 Uhr

Motiv unklar
Frau setzt drei Babys in drei Jahren aus

Noch ganz winzig waren die drei Mädchen, die im Abstand von etwa je einem Jahr in Berlin ausgesetzt wurden. Sie konnten rechtzeitig gefunden, versorgt und gerettet werden. Jetzt stellte sich raus: Sie sind Schwestern.
Noch ganz winzig waren die drei Mädchen, die im Abstand von etwa je einem Jahr in Berlin ausgesetzt wurden. Sie konnten rechtzeitig gefunden, versorgt und gerettet werden. Jetzt stellte sich raus: Sie sind Schwestern. FOTO: monropic/Fotolia / monropic/
Berlin. Emma, Lilo und Hanna – so nennen die Berliner Behörden drei kleine Mädchen, die in den vergangenen drei Jahren in der Hauptstadt zurückgelassen wurden. Eine DNA-Analyse hat ergeben: Sie stammen von derselben Mutter.

(dpa) Die drei neugeborenen Babys waren erst wenige Stunden alt. Und sie hatten Glück, dass sie überlebten. Es kann schon kalt werden in den Berliner Nächten im Spätsommer und Frühherbst. Die winzigen Mädchen hatten kaum etwas an, als sie im Abstand von etwa je einem Jahr ausgesetzt wurden: 2015, 2016 und 2017. Aber alle drei wurden rechtzeitig gefunden, versorgt und gerettet. Zwei Jahre nach dem ersten Fund stellt die Berliner Polizei fest: Die drei Babys haben dieselbe Mutter und vermutlich auch den denselben Vater.


In Deutschland ist das ein einmaliger Fall. Trotzdem ist die Kriminalpolizei bei der Suche nach der Mutter bis heute nicht erfolgreich – und kann die Sorge nicht ganz zurückweisen, dass die Serie weiter geht. Legt dieselbe Mutter in diesem Sommer ein viertes Baby irgendwo im Berliner Norden ab?

Das erste Baby finden Passanten am 2. September 2015 an einer Bushaltestelle im Norden der Stadt. Es liegt auf einem Kopfkissen, trägt einen Strampelanzug und ein Babyjäckchen. In der Nähe filmte eine Überwachungskamera, wie eine Frau etwas zu der Haltestelle trägt, ablegt und wieder verschwindet. Es sei schon dunkel gewesen, sagt Oberkommissar Schwarz (40) vom Berliner Landeskriminalamt. Das Gesicht der Frau könne man nicht erkennen. 20 bis 30 Jahre soll sie alt gewesen sein, mittelgroß und schlank, mit mindestens schulterlangen, dunklen Haaren, wie die Polizei damals schrieb.

Elf Monate später, am 6. August 2016 um 6.30 Uhr, entdecken Anwohner ein zweites Baby auf den Stufen eines Einfamilienhauses – fünf Kilometer entfernt vom ersten Fundort. „Der Säugling hatte bereits eine leicht abgesenkte Temperatur, war aber noch nicht in einem bedrohlichen Zustand“, sagt Schwarz. Ein gutes Jahr später das dritte Baby. Es liegt am 27. August 2017 vor einem Haus in Brandenburg, weniger als zwei Kilometer vom ersten Fundort entfernt.

Emma, Lilo und Hanna werden die drei Mädchen genannt. Sie leben bei Pflegeeltern, sagt Schwarz. Ob es sich um eine oder verschiedene Familien handelt, wisse er nicht. Aber es gehe den Kindern gut.



Die Handtücher, die bei dem zweiten und dritten Baby gefunden wurden, sind voll mit Blutspuren der Mutter. Allerdings dauert die erste DNA-Analyse mehr als ein Jahr – auch wegen der Überlastung des LKA nach dem islamistischen Terroranschlag im Dezember 2016, wie Schwarz sagt.

Erst im Herbst 2017 liegt das Ergebnis vor. Damals war bereits das dritte Kind gefunden worden. Eine weitere Analyse folgt, beide Spuren zeigen eine Übereinstimmung. Es handelt sich um dieselbe Mutter. Leider gebe es aber bis auf das DNA-Muster noch keine Anhaltspunkte, wer sie ist, wo sie sich aufhält, unter welchen Umständen sie lebt und unter welchen Zwängen sie agiert, sagt der Kommissar. Die Polizei wisse auch nicht, ob die Mutter selbst die Babys aussetzte oder jemand anderes.

Seine Kollegen und er hätten alles daran gesetzt, die Eltern zu finden, berichtet Schwarz. Die Kripo habe umfangreich im Umfeld der Fundorte ermittelt, Nachbarn und diverse Ärzte befragt, es habe sich aber nichts ergeben. Spekulationen, es könne sich um Flüchtlinge handeln, wies die Polizei zurück. Die Kinder hätten alle mitteleuropäisches Aussehen.

Die Polizei will die Mutter nicht nur wegen des Strafverfahrens finden. Es gehe auch um die Zukunft der drei Mädchen. „Psychisch ist das für die Kinder mit Sicherheit eine Belastung, vielleicht jetzt noch nicht, aber später“, sagt Schwarz.