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150 Jahre Ampel
Plötzlich bedeutete ein rotes Licht „Stopp“

London im Nebel, 1958, mit Ampel. Die erste Verkehrsanlage gab es dort schon im Dezember 1868, durchsetzen konnte sie sich aber erst 1926.
London im Nebel, 1958, mit Ampel. Die erste Verkehrsanlage gab es dort schon im Dezember 1868, durchsetzen konnte sie sich aber erst 1926. FOTO: dpa
London. Vor 150 Jahren ging die erste Ampel der Welt an den Start, vor dem Westminster-Palast in London. Doch erstmal lief die Neuheit gar nicht gut. Von Katrin Pribyl

Diese vier armen Polizisten, wie sie da standen und winkten und lotsten, als wären sie Dirigenten. Um sie herum das pure Verkehrschaos. Pferdekutschen, Droschken, Pferde-Omnibusse, Karren. Zwischen den Gefährten eilten Menschen in Richtung Westminster-Palast oder zum Regierungsviertel. Kreuz und quer. Die Uniformierten an jener geschäftigen Kreuzung im Zentrum Londons versuchten ihr Bestes, den Verkehr zu regeln. Und doch wurden in nur kürzester Zeit zwei Abgeordnete auf der Straße schwer verletzt, ein Polizist starb. Das war im Jahr 1868, die britische Hauptstadt damals schon eine Metropole mit mehr als drei Millionen Einwohnern und zahlreichen Verkehrstoten. Vor dem Parlament bestand Lebensgefahr – weshalb der Ingenieur John Peake Knight den Einsatz einer Ampel vorschlug – und die auch gleich erfand.


Am 9. Dezember 1868 – einige Quellen sprechen fälschlicherweise vom 10. Dezember –, stellte der Chef von Scotland Yard das verkehrsregelnde Gebilde am Parliament Square nahe des Glockenturms Big Ben auf. Es war die erste Ampel der Welt – gusseisern, gasbetrieben und acht Meter hoch. Die Farben Rot und Grün in der Gaslaterne erinnerten an die Signale aus der Schifffahrt und dem Schienenverkehr. Die Lichter sollten in der Nacht für Orientierung sorgen. Grün bedeutete „Vorsicht“, Rot hieß „Stopp“. Tagsüber ahmten zwei mechanische Flügel die Bewegungen eines Polizisten nach. Am Fuß der Säule stand ein Beamter und bediente die Anlage.

Die Reaktionen der Londoner waren gemischt. Während etwa in der Zeitung „Illustrated Times“ die Ampel gelobt wurde und „The Morning Post“ in ihr einen Erfolg erkannte, verglich das Magazin „Punch“ den Verkehrspfosten mit einem angsteinflößenden Gespenst. Und das Gebilde funktionierte nicht wie gewünscht. Viele Fahrer verstanden die Zeichen nicht oder ignorierten sie schlichtweg. Hinzu kam, dass die Technik oft versagte, Gasexplosionen waren die Folge. Und dann die Katastrophe.



Ein Polizist wollte eines Tages im Januar 1869 das Gas abdrehen, da explodierte die erste Ampel der Welt, verbrannte dem Beamten das Gesicht. Einige Quellen schreiben gar, er wurde getötet. Sofort schaltete Scotland Yard das System ab. Das Projekt Ampel schien am Ende.

Nach dem Drama in London dauerte es bis 1914, bis die erste elektrische Ampel in Cleveland im US-Staat Ohio in Betrieb ging. Als New York die Erfindung übernahm, startete ihr globaler Siegeszug. Am Potsdamer Platz in Berlin wurde 1924 ein fünfeckiger Acht-Meter-Ampelturm errichtet, in dessen Kabine ein Polizist saß und das Signal steuerte. Der Turm gilt als erste Ampel Deutschlands. Erst zwei Jahre später trauten sich auch die Briten wieder eine zu.