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Ende eines Entführungsdramas

São Paulo. In Brasilien leben Reiche gefährlich. Das musste auch Formel-1-Boss Ecclestone erfahren. Neun Tage bangte er um seine entführte Schwiegermutter. Die Polizei konnte ihn davon abhalten, die Sache selbst zu regeln. Georg Ismar,Christoph Meyer (dpa)

Die Erleichterung steht Aparecida Schunck Flosi ins Gesicht geschrieben, als sie um 21.40 Uhr in eine Sonderabteilung der Polizei in São Paulo gebracht wird. Gezeichnet von den Strapazen umarmt sie Familienangehörige, wie auf einem Video zu sehen ist. Nach neun Tagen Gefangenschaft ist die Schwiegermutter von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wieder frei. Unverletzt und ohne Einsatz der geforderten 33 Millionen Euro Lösegeld - eine Rekordforderung für Brasilien, wo kriminelle Banden viel Geld mit Entführungen machen.


"Ich verlange nur, dass die Verbrecher niemanden mehr in São Paulo entführen, dass sie ins Gefängnis kommen", sagt Aparecida Schunck. Eine Anti-Entführungseinheit hatte sie gefesselt in einem Haus in der Stadt Cotia im Großraum São Paulo aufgespürt und befreit.

Auf die Spur war man den Tätern durch Videoaufnahmen nahe ihres Hauses gekommen, die die Entführer in ihrem Wagen zeigen. Am 22. Juli wurde Schunck Flosi zu Hause entführt. Die Täter hatten sich als Paketboten ausgegeben und an der Tür geklingelt. Mit ihren 67 ist Flosi 18 Jahre jünger als ihr 85-jähriger Schwiegersohn. 2012 hatte er Schuncks Tochter Fabiana Flosi (38) geheiratet.

Die Polizei in Brasilien hatte Ecclestone geraten, in Europa zu bleiben und sich nicht in die Verhandlungen mit den Kidnappern einzuschalten. Wie die BBC berichtet, hatte er das angeboten, "um bei den Ermittlungen zu helfen". Zudem wollte er eine private Sicherheitsfirma einschalten. Doch die Polizei warnte, seine Anwesenheit könne mehr schaden als nutzen.

Die Do-it-yourself-Mentalität ist typisch für den 85-Jährigen, der sich vom Gebrauchtwagenhändler zu einem der mächtigsten Sportfunktionäre hochgearbeitet hat. Seit den 70er-Jahren ist der Brite das Gesicht der Formel 1. Und trotz Versuchen, seine Macht zu begrenzen, kommt niemand an ihm vorbei. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf umgerechnet 2,8 Milliarden Euro.



Legendär ist, wie Ecclestone auf einen Raubüberfall auf sich und Flosi im Herbst 2010 in London reagierte. Vor seinem Haus nahe des Londoner Hyde Parks wurde er von Angreifern mit Schlägen und Tritten traktiert. Die Räuber nahmen dem Paar Schmuck für mehrere hunderttausend Euro ab. Ecclestone trug ein blaues Auge davon. Kurz darauf gab es ein Porträtfoto von ihm mit Veilchen als Plakatwerbung. "Schaut, was Leute für eine Hublot tun", wurde Ecclestone zitiert.

In Brasilien macht viel Geld das Leben gefährlich. So lebt der reichste Brasilianer, Bierkönig Jorge Lemann, schon lange in der Schweiz. 1999 hatten auch in São Paulo Kidnapper versucht, drei seiner fünf Kinder auf dem Weg zur Schule zu entführen, kurz danach zog er weg. Er pendelt seither nach Brasilien. Für den Ex-Bayern-München-Spieler Zé Roberto (42), der heute in São Paulo spielt, bedeutet die Lage auch weniger Lebensqualität. "Hier kann man nur in bewachten Komplexen wohnen und sich nicht so frei bewegen", sagt er über sein Leben in São Paulo . Die Angst sei ständiger Begleiter. "Das ist in Deutschland anders."