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Urlaubsverbote des Sommers
Diese tolle Sandburg kommt sofort weg!

Rom/Madrid. Dass Zigaretten in den Sand werfen am Mittelmeerstrand teuer werden kann, ist noch bekannt. Aber die Verbote-Liste ist viel kurioser. Von Emilio Rappold und Annette Reuther

Wer in den Urlaub fährt, will sich entspannen. Doch in der Ferienzeit kann man auch zum Täter werden – bewusst oder unbewusst. Vor allem wenn man nicht in die Regeln eingeweiht ist, die an manchen Touristenorten gelten. Eine Übersicht kurioser Verbote in den Mittelmeerländern:



Pinkelstopp: Wasserlassen im Wasser gehört für viele Strandbesucher zum Urlaubsalltag. Vor allem, wenn keine Toilette in der Nähe ist. An den Sandstränden der Gemeinde Lepe im Südwesten Spaniens sollte man sich nicht erwischen lassen. Denn dort ist das Pinkeln im Meer seit 2012 verboten. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geldstrafen von bis zu 750 Euro. Es gehe nicht darum, Geld für die Stadtkassen einzutreiben, versichert Rätin María de los Ángeles Lorenzo. „Wir wollen die Menschen für die Probleme der Umwelt sensibilisieren.“ Wie ein Pinkelverstoß bewiesen werden soll, blieb unklar.

Burgenbauverbot: An mehreren Stränden auf Teneriffa muss man von der Errichtung größerer Sandburgen und -Figuren Abstand nehmen – aus „ästhetischen Gründen“, wie es heißt. Wer sich nicht dran hält, zahlt. Am nordspanischen Strand von Santander ist neben Reiten, Ballspielen und Surfen, auch Musik hören und essen verboten. Am Strand von Rom, in Ostia, darf man zwar Burgen bauen und essen. Dafür ist in manchmal das Anlehnen an Ruderboote am Strand verboten.



Skateboardverhüllungsgebot: In Valencia darf man Skateboards, Inlineskates oder Fahrräder nur verhüllt an den Strand mitnehmen. Die Stadt hatte mit Fahrrad- und Skate-Rowdys Probleme. Das Verbot soll dazu beitragen, dass es am Meer und auf den Promenaden „zivilisiert“ zugeht. Zudem ist das Fahren in den Fußgängerstraßen untersagt. 

Sexverbot: Wilde Partys werden inzwischen nicht nur auf Mallorca gefeiert – und geahndet. Im katalanischen Tossa de Mar muss es so wild zugegangen sein, dass es mittlerweile strikt untersagt ist, am Strand Sex zu haben. Man darf nach der Verordnung von 2009 hier auch keine Junggesellenpartys mehr feiern.

Seifenverbot: In Benidorm an der spanischen Costa Blanca, wo die Bewohnerzahl im Sommer von knapp 70 000 auf eineinhalb Millionen klettert, darf man weder auf dem Sand die Nacht verbringen, noch Strandtennis und andere „störende“ Sportarten betreiben oder Küchengeräte beziehungsweise sich selbst im Meer mit Seife oder Shampoo säubern.

Reservierverbot: Diese Regel schmerzt wohl viele Deutsche. Genießen sie doch den zweifelhaften Ruf, im Urlaub gern früh aufzustehen, um sich einen (guten) Platz an der Sonne zu sichern. Den Badeort Torrox an der Costa del Sol in Málaga sollten solche Zeitgenossen deshalb meiden. Hier ist es seit 2014 strikt verboten, ein Stück des Strandes zu „reservieren“. Liegestühle, Sonnenschirme und andere Gegenstände, die für solchen Zweck missbraucht werden, werden abtransportiert.

Steineverbot: In Griechenland ist es strikt verboten, in antiken Stätten Steine mitzunehmen. Dies gilt auch für augenscheinlich nicht mit der Antike verbundene einfache Steinchen. Wenn man dabei erwischt wird, kann man die Nacht in einer Zelle verbringen, bis Archäologen des Staates ein Gutachten ausgeben, dass es sich nicht um etwas archäologisch Wichtiges handelte.

Stehenbleibverbot: In Venedig werden Touristen auf Schildern angewiesen, auf den Brücken in der meist vollkommen überfüllten Stadt nicht stehenzubleiben. Andernfalls könnten sich Staus bilden, die die Einwohner in den Wahnsinn treiben.

Oben-Ohne-Verbot: Italien ist ein katholisches Land, also aufpassen beim Dresscode. Da steht es zum Beispiel auch bei Männern – zumindest theoretisch – unter Strafe, „oben ohne“ spazieren zu gehen oder im Park zu liegen.

Picknickverbot: In den historischen Zentren von Rom und Florenz sollten sich Besucher lieber nicht überall niederlassen. So hat Rom ein Dekret erlassen, um die Brunnen der Stadt vor Vandalismus zu schützen. Wer sich auf den Rand des Trevi-Brunnens setzt, wird von einem Polizist mit Trillerpfeife verscheucht. Baden im Brunnen kostet bis zu 500 Euro. Florenz experimentiert mit anderen Methoden gegen Picknicker. Kirchenplätze im Zentrum sollen um die Mittagszeit nass gespritzt werden, damit sich Touristen dort nicht niederlassen und essen – einen ähnlichen Vorstoß gab es auf Capri.