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Fitness-Spitzenreiter Spanien
Wer lange leben will, muss Gazpacho essen

 Sie gehört zur gesunden Kost auf der Iberischen Halbinsel: die kalte Gemüsesuppe Gazpacho. Dass die Spanier internationalen Studien zufolge weltweit am gesündesten Leben, liegt jedoch nicht nur am Essen.
Sie gehört zur gesunden Kost auf der Iberischen Halbinsel: die kalte Gemüsesuppe Gazpacho. Dass die Spanier internationalen Studien zufolge weltweit am gesündesten Leben, liegt jedoch nicht nur am Essen. FOTO: dpa / Julian Perez
Madrid. Die Spanier sind neuen Studien zufolge gesünder als alle anderen Menschen der Welt. Was ist ihr Geheimnis? Von Carola Frentzen und Emilio Rappold (dpa)

Deutsches Essen? Pachi rümpft die Nase. „Zu fett, zu vitaminarm! Und...darf ich ehrlich sein? Oft auch ungenießbar“, sagt die 70 Jahre alte Madrilenin. Das Essen sei vor einigen Jahren einziger Negativpunkt eines einmonatigen Aufenthaltes bei Freunden in Berlin und Hamburg gewesen, erzählt die frühere Journalistin und Hobbymalerin. „Wir Spanier essen und leben unterdessen so gesund wie in kaum einem anderen Teil der Welt.“


Stimmt das? Eine Studie des US-Finanzunternehmens Bloomberg gibt der Frau, die jugendlich wirkt und Powerwalking macht, Recht. Danach lebt es sich derzeit nirgendwo so gesund wie in Spanien.

„Vielleicht ist es irgendwas im Gazpacho oder in der Paella, aber Spanien hat gerade Italien als gesündestes Land der Welt überholt“, heißt es in dem Bloomberg-Bericht augenzwinkernd. Bei der letzten Erhebung 2017 lag es noch auf dem sechsten Rang. Deutschland belegt nur Platz 23.



Für die Auswertung wurden für 169 Nationen die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung untersucht: Neben Daten für Übergewicht, Zigarettenkonsum, Gesundheitssystem und Lebenserwartung wurde auch die Ernährungsweise der Menschen verglichen. Und da haben die Spanier – ebenso wie die auf Rang 2 liegenden Italiener – dank ihrer „mediterranen Kost“ anscheinend tatsächlich das Geheimrezept für ein langes Leben entdeckt.

Wie etwa durch den Verzehr des Gazpacho. Die kalte Gemüsesuppe, eines der Meisterwerke iberischer Kochkunst, wird unter anderem aus Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch zusammengemixt – und ist nicht nur reich an Vitamin C, sondern soll auch entzündungshemmend wirken.

Die in Spanien seit 1996 existierende Stiftung Fundación Dieta Mediterránea, die auf ihrer Homepage unzählige Rezepte und Menüvorschläge veröffentlicht und unter anderem auch den regelmäßigen, aber gemäßigten Konsum von Rotwein empfiehlt, sieht vor allem Olivenöl als den Hauptdarsteller der Mittelmeerdiät schlechthin. Stiftungsexperte Ramón Estruch versichert unter Berufung auf mehrere Studien, dass fünf Suppenlöffel Olivenöl pro Tag das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen merklich minderten.

„In Spanien werden deutlich mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte verzehrt als etwa in Deutschland. Und als Fettquelle steht Pflanzenöl im Vordergrund“, sagt Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Bereits heute leben die Spanier Studien zufolge länger als ihre Mitbürger in der EU. Weltweit lag das Land 2016 auf Platz vier, nur in Japan, der Schweiz und Singapur war die Lebenserwartung bei Geburt noch höher.

Das Institut für Gesundheitsmetriken und Evaluation (IHME) an der Universität Washington rechnete zuletzt vor, dass Spanien wohl bis 2040 auch hier die Führung übernehmen wird: Die Bürger von Sevilla bis Santander haben dann Schätzungen zufolge bei Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,8 Jahren. Die Deutschen wären nur 25. in der Weltrangliste.

Pachi kann die Statistiken gut nachvollziehen. Ihr Fazit: „Nicht nur das Essen ist wichtig. Sonne, Siesta, Spaziergänge, Sprechen, soziale Kontakte pflegen, Spaß am Leben haben: Das ist unser Rezept.“

 Topfit: die 70-jährige Pachi auf einer Parkbank in Madrid.
Topfit: die 70-jährige Pachi auf einer Parkbank in Madrid. FOTO: dpa / Emilio Rappold