| 20:32 Uhr

Starke Nachfrage hat negative Folgen
Die Avocado sorgt für Umweltprobleme

Mexiko, Michoacán: Avocados werden in einem Packhaus gewaschen und sortiert. Seit Jahren ist die Avocado auf einem Siegeszug in Küchen und auf Büffets. Die gestiegene Nachfrage hat aber auch negative Folgen.
Mexiko, Michoacán: Avocados werden in einem Packhaus gewaschen und sortiert. Seit Jahren ist die Avocado auf einem Siegeszug in Küchen und auf Büffets. Die gestiegene Nachfrage hat aber auch negative Folgen. FOTO: dpa / Dalia Villegas Moreno
Ziracuaretiro. Die Frucht wird immer beliebter, doch in den Anbauländern brauchen Plantagen immer mehr Fläche und Wasser. Von Amelie Richter, dpa

Der Duft von feuchter Erde und frischem Harz von Pinien und Eichen liegt in der Luft von Michoacán. Die Natur des westlichen Bundesstaats Mexikos vibriert in satten Grün-Tönen. Das lukrativste Grün gehört hier zu einer Frucht: der Avocado. Michoacán ist einer der größten Produzenten. Für die Anbaugebiete bringt der weltweite Boom der Avocado aber nicht nur Umsatz, sondern auch Umweltprobleme.


Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stieg die Anzahl der weltweit geernteten Hektar an Avocados von 2006 bis 2016 von 381 000 auf 564 000 Hektar. Der größte Teil davon kommt aus Mexiko, wo die Frucht auch ursprünglich angebaut wurde.

Auf rund 200 000 Hektar wurden im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Tonnen Avocados angebaut. Und die Fläche wächst immer weiter. Es wird geschätzt, dass in der Region zwischen 600 und 1000 Hek­tar Wald pro Jahr vernichtet werden, um die Landnutzung zu ändern. Hinzu kommt, dass die Frucht viel Zuwendung benötigt, um richtig zu wachsen, vor allem Wasser. Laut einer mexikanischen Studie aus dem Jahr 2012, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, hat der Anstieg der Produktion der Früchte zu einem Verlust an Artenvielfalt und zudem zu Umweltverschmutzung und Bodenerosion geführt. Daneben schädigte er den natürlichen Wasserkreislauf und die endemischen – nur in dem Gebiet lebenden – Arten.



Nach Schätzungen des mexikanischen Landwirtschaftsministeriums wird die weltweite Nachfrage nach Avocados von 2017 bis 2030 um 48,98 Prozent steigen. Damit gehe ein Anstieg des weltweiten Verbrauchs von 2,84 auf 4,24 Millionen Tonnen pro Jahr einher.

Der Avocado-Boom ging auch nicht an den mächtigen Kartellen vorbei – auch die organisierte Kriminalität streckte die Finger nach dem „grünen Gold“ aus.

Mexiko ist mit den Problemen der gestiegenen Nachfrage nicht allein. In Israel boomt der Handel mit Avocados ebenfalls, die Nachfrage übersteigt seit Jahren das Angebot. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Zentralen Statistikbüros mehr als 110 000 Tonnen Avocados produziert und rund 65 000 Tonnen exportiert. Ein stetiger Anstieg: 2016 wurden 101 000 Tonnen produziert und 47 000 Tonnen exportiert.

Angesichts der hohen Nachfrage und großer Gewinne vergrößern immer mehr Landwirte in Israel die Avocado-Anbaugebiete. Sie verdrängten etwa die Anbaugebiete von Zitrusfrüchten, sagt Marcelo Sternberg, Professor für Pflanzenökologie von der Universität Tel Aviv. Ein mögliches Problem, das er sieht: „Avocado-Bäume brauchen sehr viel Wasser.“ Für ein Kilo Avocados würden rund 600 Liter Wasser verbraucht.

Und der Avocado-Boom hat auch Südafrika erreicht: Vor allem in den nordöstlichen Provinzen Limpopo und Mpumalanga, wo ein warmes und subtropisches Klima dominiert, ist die Anbaufläche seit der Jahrtausendwende stetig angewachsen; jedes Jahr kommen rund 1000 Hektar neu dazu.

Südafrika produzierte 2017 rund 120 000 Tonnen Avocados pro Jahr, wie der Verband der Avocadobauern erklärt. Zehn Jahre zuvor waren es noch 74 000 Tonnen gewesen. Ohne künstliche Bewässerung wäre der Anbau jedoch auch in Südafrika nicht möglich.