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Sibirien
Der Brand, die Trauer – und viele Fragen

Moskau. Dutzende Menschen sterben bei einem Feuer in einem sibirischen Einkaufszentrum. Es kursieren Gerüchte über mangelnden Brandschutz.

Für die Kinder in einem Kino in einem Einkaufszentrum in Sibirien sollte es ein schöner Sonntagnachmittag werden, doch er endete in einem tödlichen Flammeninferno. Bei dem Brand in der Industriestadt Kemerowo kamen mindestens 64 Menschen ums Leben, darunter neun Kinder, wie die Behörden gestern mitteilten. Dutzende Menschen, darunter viele Kinder, wurden weiter vermisst. Wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen gab es mehrere Festnahmen.


Überlebende berichteten von dramatischen Szenen: Es habe keinen Feueralarm gegeben, die Eingangstüren des Kinos seien verschlossen gewesen. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen und die Notausgänge blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Ein Mädchen rief Berichten zufolge aus dem brennenden Kinosaal noch seine Eltern an und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir brennen. Ich liebe euch, macht‘s gut. Ich kann nicht atmen.“ Ein Elfjähriger sei auf der Flucht vor den Flammen aus einem Fenster im vierten Stock gesprungen, sagte Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa, als sie das örtliche Krankenhaus besuchte. Seine Eltern und der jüngere Bruder überlebten das Feuer nicht.

Mehr als 500 Feuerwehrleute waren im Einsatz und retteten Dutzende Menschen aus dem Gebäude, als zwei der drei Kinosäle einstürzten. Sie brachten das Feuer weitgehend unter Kontrolle, die Flammen flackerten jedoch auch Stunden später immer wieder auf. Nach ersten Untersuchungen soll ein defektes Kabel den Brand ausgelöst haben. Die Ermittler folgten jedoch auch einer Spur, nach der eine Gruppe Teenager mit einem Feuerzeug gespielt und Sitzmöbel in Brand gesteckt haben soll.

Bei der Suche nach der Brandursache kursierten Berichte über mangelhaften Brandschutz. Das Versagen aller Sicherheitsvorkehrungen sei eindeutig auf Schlamperei und Fahrlässigkeit zurückzuführen, sagte die Kinderbeauftragte der Regierung, Anna Kusnjezowa, dem Sender Rossija-24. Es gebe zwar eindeutige Bestimmungen, die jedoch in der Regel nicht eingehalten werden. „Der eigentliche Grund für diese Katastrophe ist nicht irgendein Kabel, sondern wie wir mit den Bestimmungen umgehen“, sagte Kusnjezowa. „Es ist ein Signal: Wir müssen alle Einkaufszentren überprüfen.“Experten kritisierten auch Baumängel am Gebäude und die schlechte Qualität der Einrichtung im Einkaufszentrum, die zu schnell Feuer fangen könne. Wenige Stunden nach dem Brand wurden vier Verantwortliche festgenommen, unter ihnen der Direktor des Einkaufszentrums.



Zahlreiche Bewohner in Kemerowo brachten gestern  Blumen zum Rathaus und legten Stofftiere auf Parkbänke. Eltern klebten Bilder ihrer vermissten Kinder an die Wände. Die Behörden kündigten eine dreitägige Trauer an.