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Panda-Pärchen für Berliner Zoo
Chinesisches Blind Date im Berliner Zoo

Das Panda-Weibchen Mengmeng wohnt ab Samstag im Zoologischen Garten in Berlin. Sie und das Männchen Jiao Qing sind dann die einzigen Riesenpandas in deutschen Zoos. ⇥Fotos: dpa; Oben: Mabanglo/dpa
Das Panda-Weibchen Mengmeng wohnt ab Samstag im Zoologischen Garten in Berlin. Sie und das Männchen Jiao Qing sind dann die einzigen Riesenpandas in deutschen Zoos. ⇥Fotos: dpa; Oben: Mabanglo/dpa FOTO: - / dpa
Chengdu. Am Samstag beziehen zwei Pandas ihre Gehege in der Hauptstadt. Die Tiere sind auch politisch von großer Bedeutung. Von Andreas Landwehr

(dpa) Sie sind ein Pärchen – aber sie sind sich fremd. Erst im Berliner Zoo werden sich die beiden Riesenpandas kennen und hoffentlich dann auch lieben lernen. Das Weibchen Mengmeng (Träumchen) und das Männchen Jiao Qing (Schätzchen) leben im Zuchtzentrum in Chengdu vor dem Umzug am 24. Juni nach Berlin in getrennten Gehegen. Beide haben sich noch nie gesehen. Auch in Berlin wird jeder sein eigenes Reich haben. „Pandas sind Einzelgänger“, erklärt Pfleger Yin Hong, der beide aufgezogen hat. „Sie können nicht zusammen sein, weil sie sonst miteinander kämpfen würden.“

Nur wenn Pandas jung sind oder in der kurzen Paarungszeit von knapp zwei Wochen im Frühjahr können sie zusammenleben. Damit in dieser „heißen Phase“ auch alles klappt, wird vorher schon ein „Date“ für „Träumchen“ und „Schätzchen“ arrangiert. Nur durch einen „Kuschelzaun“ getrennt sollen sie sich näher kommen und aneinander gewöhnen. Die Zeit ist immer knapp. Panda-Weibchen sind nur drei bis vier Tage im Jahr fruchtbar, signalisieren das mit Duftmarken.

Kein anderer deutscher Zoo hat Pandas. In China ist es eine „„Staats­affäre“, wie es heißt. Nervosität ist spürbar. Nichts darf schiefgehen. Denn Präsident Xi Jinping will bei seinem Deutschlandbesuch wohl am 5. Juli mit Kanzlerin Angela Merkel die schwarz-weißen Bären im Berliner Zoo besuchen. „Es wird das wichtigste Foto vom Besuch werden“, sagen informierte Kreise.

Von „Panda-Diplomatie“ ist die Rede, wenn China mit seinem Nationalschatz seine Beziehungen weltweit auszuweiten versucht. In der Wildnis und in Zoos gibt es nur etwas mehr als 2000 Exemplare. Immerhin ein wenig mehr als früher. Der Schutz und die Zucht hat die Populationen wieder steigen lassen. Um Pandas können nur befreundete Staats- und Regierungschefs bitten. Sie kosten nicht nur politisches Kapital, sondern auch satte Leihgebühren von einer Million US-Dollar im Jahr. Der Großteil davon fließt in den Artenschutz und die Panda-Forschung, der Rest sind Verwaltungskosten. Die Pandas sind immer nur Leihgaben, bleiben Eigentum Chinas – selbst der Nachwuchs.

In Berlin müssen sich die Pandas an neues Klima, neue Gerüche und neuen Bambus gewöhnen. Die 50 bis 60 Kilogramm, die ein Panda so am Tag verputzt, werden aus den Niederlanden geliefert. Das deutsche Wetter passt ihnen gut, weil sie es eher kühler und feucht mögen.

Neun Millionen Euro haben sich die Berliner die beiden Panda-Gehege kosten lassen, in denen die Eigenbrötler also meist ihre eigenen Wege gehen werden. Nach einer Inspektion vor Ort ist der Zuchtexperte Yuan Bo voll des Lobes: „Sehr professionell.“ Er hoffe darauf, dass die Pandas „auf natürliche Weise Paarungszeichen zeigen, wenn sie in Deutschland sind“, sagt der Wissenschaftler.

Wenn es nicht klappt, hat Yuan Bo einen Geheimtipp für die Berliner: „Panda-Pornos“, also Videos, auf denen sich andere Pandas paaren – zur Nachahmung empfohlen. „Ja, sie schauen sich das an“, beteuert der Experte auf skeptische Blicke. In der Wildnis schauten Pandas bei ihren Artgenossen zu, aber in den Zoos gehe das kaum. „So setzen wir Filme ein, damit Pandas das Verhalten erlernen“, berichtet der Fachmann.