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An die Trauben, fertig, los!

Auch die Pfälzer Weinkönigin Julia Kren war gestern dabei, die frühreifen „Solaris“-Trauben für den Federweißer zu ernten. Die anderen Sorten haben noch gut fünf Wochen Zeit zu reifen. Foto: Anspach/dpa
Auch die Pfälzer Weinkönigin Julia Kren war gestern dabei, die frühreifen „Solaris“-Trauben für den Federweißer zu ernten. Die anderen Sorten haben noch gut fünf Wochen Zeit zu reifen. Foto: Anspach/dpa FOTO: Anspach/dpa
2016 ist ein anstrengendes Jahr für die Winzer: Nässe, Kälte, Pilzbefall, Schädlinge. Gestern hat in der Pfalz die Ernte begonnen, denn die Trauben für Federweißer werden einige Wochen vor der Hauptlese geerntet. dpa-Mitarbeiterin Doreen Fiedler

Neustadt/Weinstraße. Rasend schnell fährt die Traubenschere von Winzerin Susanne Müller-Magin zwischen die ausladenden Blätter und trennt die prallen Früchte von den Rebstöcken. Die goldgelben Trauben der Sorte "Solaris" für den Federweißer landen in einem Eimer, den kräftige Arme über der Ladefläche eines Traktoranhängers auskippen. In diesem Weinberg im pfälzischen Neustadt begann gestern offiziell die deutsche Weinlese.


Müller-Magin betrachtet die Trauben in ihrer Hand stolz. "Die Größe ist optimal. Schön ausgebildet", sagt sie. Über ihr hängen ein paar dunkle Wolken - symbolisch quasi für das Winzerjahr 2016. Die Weinproduzenten wurden von bangen Gedanken geplagt: Was tun gegen die Nässe im Weinberg? Folgt auf den feucht-kühlen Frühsommer noch Hitze? Wie oft soll gespritzt werden gegen den starken Pilzbefall? Viele Winzer waren den ganzen Tag auf den Beinen.

Das schwierige Jahr 2016 wird, so schätzt es das Deutsche Weininstitut, eine etwas geringere Erntemenge als der langjährige Durchschnitt von neun Millionen Hektolitern bringen. Doch die Qualität, da sind sich die Experten einig, dürfte stimmen. "Die lange Reifezeit bietet dem Wein die Chance, komplexe Aromen zu entwickeln", sagt Günter Hoos, Direktor des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum. Außerdem ist nun genug Wasser in den Böden - zusammen mit schönen Spätsommertagen dürfte das einen guten Jahrgang ergeben. Die Keller und Lager sind leer genug, um den 2016er aufzunehmen. Es gebe keine Überbestände, sagt Thomas Weil, Leiter des Weinbauamtes in Neustadt an der Weinstraße. Bei einigen Sorten herrsche sogar Knappheit. Beim Dornfelder, Portugieser und Riesling etwa würden die Rest-Bestände benötigt, um den Handel zu befriedigen, ehe im Januar der neue Wein auf den Markt komme.

In den kommenden Tagen aber wird in der Pfalz und anderen deutschen Anbaugebieten erst einmal Federweißer getrunken. Die Hauptlese folgt dann im September. "So schwierig es war - jetzt bekommen wir den Lohn für die harte Arbeit", sagt die pfälzische Weinkönigin Julia Kren, die in den Weinberg gekommen ist - und eifrig Trauben nascht.

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Hintergrund Mit der Ernte der Sorte "Solaris" im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße beginnt offiziell die Weinlese in Deutschland. Die Trauben werden für Federweißer verwendet, das ist halb vergorener Wein, der schon nach wenigen Tagen getrunken werden kann. Der Beginn der Hauptweinlese ist, auch bei den saarländischen Obermoselwinzern, normalerweise etwa fünf Wochen später, also in diesem Jahr Mitte bis Ende September. Unter den 13 deutschen Weinanbaugebieten haben die Pfalz und Rheinhessen das Klima, das den Wein am schnellsten reifen lässt. In der Pfalz ist die Tradition, Federweißer zu trinken, daher besonders groß. dpa