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Unfallursachen
Nicht nur Handys lenken am Steuer ab

Besonders Handys sind ein unterschätztes Risiko am Steuer.
Besonders Handys sind ein unterschätztes Risiko am Steuer. FOTO: Wellnhofer Designs/Fotolia / Wellnhofer Designs
Magdeburg. Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen. Mit einem Aktionstag soll heute auf die schweren Folgen aufmerksam gemacht werden. dpa

Ein kurzer Blick aufs Handy, eine Adresse ins Navi eingeben oder der streitende Nachwuchs auf der Rückbank: Irgendetwas lenkt beim Autofahren immer ab. Besonders unsere Handys sind ein unterschätztes Risiko im Straßenverkehr. Darin sind sich die Innenminister und die Verkehrsexperten der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster einig. Mit dem heutigen bundesweiten Aktionstag wollen sie auf die Risiken von Ablenkungen am Steuer aufmerksam machen – inklusive Polizeikontrollen, Infoständen und Parcours und Fahrsimulatoren. 11 000 Polizisten sind heute dafür ab sechs Uhr im Einsatz. Fünf Dinge, die wir über Ablenkung wissen sollten:


1. Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen



Ablenkung am Steuer wird als Unfallrisiko chronisch unterschätzt, sagt Heinz Albert Stumpen von der Hochschule der Polizei in Münster. Wie oft fehlende Aufmerksamkeit in Deutschland eine Rolle spielt, lässt sich aus den Statistiken nicht ablesen – anders als überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol wird es nicht erfasst. Andere europäische Länder weisen es aus: In Österreich spiele Ablenkung etwa bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle, sagt Stumpen. Internationale Studien zeigten, dass mehr als die Hälfte der Unfälle damit in Zusammenhang stehen.

2. Handytippen ist so gefährlich wie betrunken zu fahren

Besonders gefährlich sind digitale Helfer am Steuer. „Elektronische Geräte wie Navigationssysteme oder Handys während der Fahrt bedienen, ist das Gefährlichste, was man am Steuer machen kann“, sagt Stumpen. Das Unfallrisiko steige um das Vierfache. Eine Nachricht beim Fahren zu lesen oder zu tippen, sei so gefährlich wie mit 0,8 bis 1,0 Promille Alkohol zu fahren. Der Grund: Man fährt beim Blick aufs Handy im Blindflug. Bei Fahrten mit Tempo 50 bedeutet eine Sekunde auf das Handy gucken schon 14 Meter Weg blind zurücklegen. Mit Tempo 130 sind es 36 Meter – jede Sekunde. Gefahren werden später oder zu spät erkannt, die Reaktion ist verzögert.

3. Das Auto ist keine Kaffeeküche und kein Kindergarten

Nicht nur das Handy ist eine unterschätzte Ablenkung. Lkw-Fahrer etwa lesen Zeitung, kochen Kaffee oder gucken Filme, während sie  unterwegs sind. Doch während dieses Risiko auf der Hand liegt, werden andere Gefahren vergessen. Eltern wollen, dass ihre Kinder in Sicherheit sind – aber auch, dass sie auf der Fahrt nicht quengeln. Fällt der Teddy oder der Schnuller in den Fußraum oder rufen sie nach Essen, sollten Eltern darauf verzichten, bei der Fahrt vom Fahrersitz einzugreifen.

4. Nicht nur am Steuer ist Ablenkung gefährlich

Stumpen von der Hochschule der Polizei spricht auch die „Smombies“ an: Menschen, die scheinbar mit ihrem Smartphone verwachsen mit gesenktem Blick durch Innenstädte und U-Bahnhöfe laufen oder sich mit lauter Musik über Kopfhörer beschallen. „Immer wieder gibt es betrübliche und dramatische Vorgänge, wo Menschen mit Musik in den Ohren und Blick aufs Handy vor die Straßenbahn laufen“, mahnt Nadine Raabe-Goldermann mahnt aus dem Innenministerium Sachsen-Anhalt. „Man muss immer auch mit der Ablenkung der anderen rechnen“, sagt sie.

5. Verstöße werden verstärkt kontrolliert – und sind teuer

Seit Herbst vorigen Jahres müssen Handysünder am Steuer mehr Bußgeld berappen: Statt 60 Euro und einem Punkt belasten 100 Euro und ein Punkt die Geldbörse und das Verkehrskonto in Flensburg. Auch Radfahrer sind nicht von Strafe frei: Sie müssen statt 25 Euro inzwischen 55 Euro zahlen. Allerdings wird die Strafe nur fällig, wenn die Polizei aktiv Verstöße kontrolliert und ahndet. In Sachsen-Anhalt ist das zum Beispiel der Fall: Wurden dort im Jahr 2015 noch knapp 5200 Fälle sanktioniert, waren es voriges Jahr bereits 6000. Tendenz steigend: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es schon fast 4300. Die Verstöße erfasst jedes Bundesland separat.

Auch Kinder auf der Rückbank können beim Autofahren ablenken.
Auch Kinder auf der Rückbank können beim Autofahren ablenken. FOTO: Olesia Bilkei/Fotolia / Olesia Bilkei