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In Freiberg am Neckar
Ärger um Sexpuppen-Bordell

Freiberg a.N.. In der baden-württembergischen Kleinstadt Freiberg am Neckar sorgt ein Freudenhaus für Unmut.

Peter Müller traute seinen Augen nicht. „Ich war mehr als baff“, erinnert sich der Chef des Freiberger Ordnungsamtes an den Moment, als er im Internet entdeckte, was sich da im Gewerbegebiet der Stadt breitgemacht hat. Ein Sexpuppen-Bordell? In Freiberg am Neckar? Dass er so etwas hier nicht haben möchte, war ihm schnell klar. Und er weiß, wie er das Bordell wieder loswerden kann: Vergnügungsstätten sind laut Bebauungsplan ausgeschlossen. Schon immer. Heißt: Kann der Betreiber nicht belegen, dass sein Geschäft nicht auf Vergnügen abzielt, muss er weg. „Wenn nötig im Sofortvollzug“, betont Müller.


Die Idee, Sexpuppen gegen Bezahlung anzubieten, stammt aus Barcelona. Dann zog Dortmund nach. Das vor zwei Jahren eröffnete „BorDoll“ wirbt mit „absolut realistisch gearbeiteten Silikon-Liebespuppen“ – mit allem drum und dran. Mit dem Neuling im Freiberger Gewerbegebiet ist das „BorDoll“ aber nicht zu vergleichen, schließlich hat es eine Konzession als reguläre Prostitutionsstätte. Im Gewerbegebiet in Freiberg hingegen sind nicht mal Spielhallen oder Diskotheken erlaubt. Eine Ausnahme zu machen, da der Sex-Betrieb in dem unscheinbaren Bürogebäude quasi gar nicht auffällt, lehnt Müller ab.

Die Vorstellung, Sex mit einer Puppe oder einem Roboter zu haben, scheint für viele Menschen allerdings nicht abwegig zu sein. Mit einem Sexroboter würde laut der Zukunftsstudie „Homo Digitalis“ von BR, Arte, ORF und dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) ungefähr jeder fünfte Deutsche gerne einmal intim werden. Über die Hälfte würde es nicht oder nur vielleicht stören, wenn ihr Partner Sex mit einem Roboter hätte. Doch nur rund sechs Prozent könnten sich vorstellen, sich in einen Roboter zu verlieben. „Das deutet darauf hin, dass Sexroboter vor allem als Spielzeug und nicht als Menschenersatz wahrgenommen werden“, sagt Kathrin Pollmann vom IAO.



Sabine Constabel vom Stuttgarter Verein Sisters, der sich bundesweit für den Ausstieg aus der Prostitution einsetzt, warnt hingegen vor dem Geschäft mit den Puppen: Frauen würden entmenschlicht. Der Missbrauch an Frauen werde simuliert, so Constabel. Aus diesem Grund seien Kinderpuppen inzwischen verboten, damit bei Männern mit pädophilen Neigungen nicht auf diese Weise die Hemmschwelle sinkt, ein Kind zu missbrauchen.

Auch wenn Sexpuppen oder -roboter eine Nische bleiben, wird das Thema breit diskutiert. Eine „Kampagne gegen Sexroboter“ führt unter anderem an, Frauen und Kinder könnten zu Lustobjekten degradiert werden. Und der Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel wirft eine ganze Reihe von Problemen und Fragen auf: So müssten Sexroboter beispielsweise gründlich geputzt werden, um Krankheiten vorzubeugen.