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Ruhe im letzten Damenfreibad

Freiburg. Wenn Mitte Mai die Freibäder öffnen, drängt es die südbadischen Frauen erfahrungsgemäß wieder ins Freiburger Lorettobad. Dort fühlen sie sich ungestört in einem speziellen Bereich, der als letztes Freibad in Deutschland ausschließlich Frauen vorbehalten ist Von ddp-Mitarbeiter Michael Scheuermann

Freiburg. Wenn Mitte Mai die Freibäder öffnen, drängt es die südbadischen Frauen erfahrungsgemäß wieder ins Freiburger Lorettobad. Dort fühlen sie sich ungestört in einem speziellen Bereich, der als letztes Freibad in Deutschland ausschließlich Frauen vorbehalten ist. Von jungen Müttern bis zu Damen im gesetzten Alter nutzen die Frauen, von denen einige muslimischen Glaubens sind, dann Liegewiese, Schwimm- und Kinderplanschbecken. Vor 15 Jahren vor der Schließung gerettet, erfreut sich allein der Frauenbereich mit bis zu 40 000 Besuchen pro Saison eines großen Zulaufs.Das Damenbad ist durch zwei Holztüren vom Hauptbad aus zugänglich. Es wird aus mehreren Gründen bevorzugt, weiß Schwimmbadleiterin Claudia Held. So suchten "Mütter, vor allem mit Babys", Schutz vor tobenden größeren Jungs, die ab "Einschulalter den Bereich nicht mehr betreten dürfen". Viele zögen die ruhige Umgebung dem quirligen Familientreiben jenseits der Mauer vor. Einige wollten sich "oben ohne" bewegen, ohne Männerblicke auf sich zu ziehen. Gläubige Musliminnen könnten hier, ganz unter Frauen, zum Baden und Sonnen das Kopftuch ablegen. Das Bad ist von allen Seiten durch ziegelgedeckte Bauten mit Duschen, überdachten Freiflächen sowie einer blickdichten Hecke vom Familienbad abgeschirmt. Noch heute ist in der Anlage mit altem Baumbestand und einer langen Reihe Tür an Tür gelegener Umkleidekabinen der Charme des Kaiserreichs zu spüren. Deutlich mehr Stammgäste als andere städtische Bäder habe sie, betont Held. Das komme auch vom persönlicheren Service. So lasse sich eine gehbehinderte Dame von ihr regelmäßig aus dem Wasser helfen, sie verwalte auf Wunsch die Schlüssel der Saisonkabinen und mache auch mal "Babyfläschchen warm", erzählt sie. Überwiegend würden weibliche Aufsichtskräfte eingesetzt. Die Damenbadkultur sei längst nicht so alt wie das Bad selbst, erzählt der Vorsitzende des Vereins der "Freunde des Lorettobads", Klaus Winkler. Die Anlage wurde 1841 von einem Privatmann erbaut. Wie damals üblich, hatten zunächst nur Herren Zutritt. Im Winter sei die Anlage genutzt worden, um Eisblöcke zu gewinnen. 1886 habe dann der Anbau des Damenbades eröffnet. 1903 wurde das Bad städtisch. Die badefreudigen Herren und Damen mussten daraufhin ihr Bad einem Militärsportverein überlassen. Erst nach einer Modernisierung Mitte der 20er Jahre begann wieder der öffentliche Betrieb, unterteilt in Familien- und Damenbad, wie Winkler herausfand. 1978 versuchte ein Jurastudent gerichtlich, den Zugang zum Damenbad zu erzwingen und scheiterte.