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Rosa Luxemburgs Leiche in Berliner Charité?

Berlin. Es ist eine unglaubliche, fast abenteuerliche Vermutung: Ein renommierter Berliner Wissenschaftler glaubt, die tatsächliche Leiche der ermordeten Sozialistin Rosa Luxemburg (Foto: dpa) gefunden zu haben Von dpa-Mitarbeiter Aliki Nassoufis

Berlin. Es ist eine unglaubliche, fast abenteuerliche Vermutung: Ein renommierter Berliner Wissenschaftler glaubt, die tatsächliche Leiche der ermordeten Sozialistin Rosa Luxemburg (Foto: dpa) gefunden zu haben. Der Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charité, Michael Tsokos, entdeckte bei seinem Antritt im Jahr 2007 in einer alten anatomischen Sammlung seines Instituts eine viele Jahrzehnte alte Wasserleiche. Die Neugier des Mediziners war geweckt, denn der Leiche fehlten Kopf, Hände und Füße. Tsokos recherchierte, befragte Historiker - und vermutet nun, dass es sich bei der Leiche um Luxemburgs Körper handelt. Die Tote weise "verblüffende Ähnlichkeiten mit der realen Rosa Luxemburg" auf, sagte Tsokos dem Magazin "Der Spiegel".



Leichnam mit Hüftschaden

Bislang ist noch nichts endgültig bewiesen, doch Tsokos hat zahlreiche Indizien gesammelt: "Wir haben die Leiche in einem Computer-Tomographen untersucht und festgesellt, dass es sich bei der Leiche um den Körper einer 40- bis 50-jährigen Frau handelt", sagte der Mediziner. Außerdem habe der Leichnam einen Hüftschaden und unterschiedlich lange Beine. Das könnte passen, immerhin war Luxemburg Ende 40, als sie ermordet wurde - und litt an einem Hüftschaden und unterschiedlich langen Beinen. Zahlreiche Zeitzeugen bestätigten laut "Spiegel", dass Luxemburg wegen einer angeborenen Hüftverrenkung seit früher Kindheit gehinkt hatte. Warum der Kopf der Leiche fehlt, ist Tsokos zwar noch ein Rätsel. Die fehlenden Hände und Füße dagegen könnten ein weiterer Hinweis darauf sein, dass es sich um Luxemburgs Körper handelt. "Sie wurde nach ihrem Tod in den Landwehrkanal geworfen", berichtet Tsokos. Dabei seien ihr mit Metallschlingen Gewichte an die Hände und Füße gehängt worden. "Treibt eine Leiche wochenlang im Wasser, kann es passieren, dass sich die Hände und Füße mit der Zeit ablösen." Das ist aber noch nicht alles. Tsokos ist sich außerdem zu "100 Prozent sicher", dass es sich bei dem Körper, der 1919 als Luxemburgs Leichnam auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde beerdigt wurde, nicht um die einstige KPD-Führerin handelt. "Ich habe mir das historische Obduktionsprotokoll herausgesucht", sagt der Mediziner. Vorne in der Akte stehe zwar "Sektionsprotokoll der Rosa Luxemburg". "Doch in dem Bericht wird klar, dass es nicht die Leiche von Rosa Luxemburg war."

Durch Kopfschuss getötet

Schließlich fanden Tsokos' Vorgänger weder einen Kopfschuss noch Spuren für Gewehrkolbenschläge auf den Schädel der Toten. Dabei soll Luxemburg am 15. Januar 1919 in Berlin niedergeschlagen und dann durch einen Kopfschuss getötet worden sein.



Außerdem notierten die Rechtsmediziner in ihrem Obduktionsprotokoll, dass die Leiche keinen Hüftschaden und auch keine unterschiedlich langen Beine hatte. Hinzu kommt, dass Tsokos von Historikern erfahren hat, die SED habe Ende der 40er Jahre Luxemburgs Leichnam exhumieren wollen - im Grab aber gar keine Leiche gefunden.

Doch noch sind Tsokos' Vermutungen nicht bestätigt. Zuerst braucht er einen wissenschaftlichen Beweis. Dafür hat er zwar schon Luxemburgs Briefe auf DNA-Spuren an den Briefmarken untersucht. "Es gab aber leider keinen Speichel." Deswegen setzt der Rechtsmediziner nun auf die Hilfe der Öffentlichkeit: "Wenn ich eine DNA-Probe von Rosa Luxemburg bekäme, könnte ich sie mit der DNA des Leichnams abgleichen." Dann könnte er den Fall der Wasserleiche abschließen.