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Riesen-Zoff um Schloss Chambord

Das Schloss Chambord an der Loire lockt jährlich bis zu 700 000 Touristen an. Wenn es nach den Ausbauplänen der Schlossdirektion geht, soll das prachtvolle Gebäude bald eine noch exklusivere Adresse werden. Der Bürgermeister der Gemeinde spricht von einem Komplott aus Paris. Von afp-MitarbeiterDenis Rousseau

Chambord. Um das weltberühmte Schloss Chambord an der Loire ist ein Krieg entbrannt, die Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber. Anlass des Zwists sind ehrgeizige Ausbaupläne für das unter König Franz I. im 16. Jahrhundert erbaute prachtvolle Gebäude, das jährlich rund 700 000 Besucher aus aller Welt anzieht. Kritiker sehen darin den Versuch, aus dem Schloss mit seinem ausgedehnten Jagdgebiet eine Art "Chambordland für Reiche" zu machen.

Ein neues "Gutshaus", ein Konzertsaal und ein Luxushotel sollen noch mehr Touristen zu dem Schloss locken, das 1930 vom französischen Staat aufgekauft wurde. Außerdem sollen die Gärten neu angelegt werden - nach den Originalplänen aus dem 17. Jahrhundert.

Vehement gegen dieses Projekt setzt sich der Bürgermeister des Dörfchens Chambord, André Joly, zur Wehr. Er wird unterstützt von alteingesessenen Gastwirten und Händlern. Das Gemeindeoberhaupt hat allerdings ein Problem: Das Dorf Chambord mit seinen 132 Einwohnern gehört zur Domäne des Schlosses. Der Bürgermeister ist quasi ein König ohne Land, das Sagen in Chambord hat Schloss-Generaldirektor Jean D'Haussonville.

In seinem von Baumaschinen umzingelten Rathaus macht Joly seinem Ärger Luft. Hinter den Plänen stünden "Herren" aus der Hauptstadt Paris, eine "Kaste von Parlamentariern". Diese wollten sich den Zugang zu dem begehrten Jagdpark des Château Chambord sichern, wettert der Bürgermeister.

Inzwischen hat die Auseinandersetzung von der Provinz aus auch das französische Parlament erreicht. Im Senat wollten Unterstützer von Joly kürzlich in einem Änderungsantrag feststellen lassen, dass der Bürgermeister von Chambord "voll über die Rechte verfügt", die sein Amt vorsieht. Doch der Antrag wurde von der Senatsmehrheit abgelehnt. Bereits im Juli 2012 hatte der Staatsrat, das höchste Verwaltungsgericht Frankreichs, die Befugnisse des Bürgermeisters eingegrenzt: Er ist zuständig für die Straßen des Dorfes, die Wasserleitungen und den Friedhof.

Für Joly ist klar: Er ist Opfer eines Komplotts. Generaldirektor D'Haussonville habe einflussreiche Unterstützer, die vor allem eines verbinde: ihre Jagdleidenschaft. Diese "Jäger-Lobby" umfasse "alle politischen Lager." In der Tat sind Einladungen zu den prestigeträchtigen Jagden im 50 Quadratkilometer großen Park des Schlosses sehr begehrt. Wer zu dem gesellschaftlichen Halali-Ereignis eingeladen wird, bestimmt D'Haussonville.

Für die Bewohner und Händler der Gemeinde Chambord, von denen keiner Eigentümer seines Hauses oder seines Geschäfts ist, gibt es "Nutzungsverträge", die ihnen weniger Schutz gewähren als herkömmliche Mietverträge. Einige von ihnen werden Chambord sogar verlassen müssen.

Noch bleibt den Gegnern des Projekts eine Hoffnung: die Kulturorganisation Unesco. Sie hat das Schloss Chambord als Weltkulturerbe eingestuft - und alle Ausbaupläne müssen daher von der Unesco überprüft werden.