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„Promi Big Brother“
„Und woher kennt man dich nochmal?“

Promi Big Brother ist wieder da. Doch irgendetwas fehlt bei der Auftaktfolge am Freitagabend: die Promis! Nicht mal die zwölf Bewohner wissen voneinander, mit welchen „bekannten“ Personen sie da im SAT.1-Container gelandet sind. Von Tim Kronner

„Ich hab jetzt mal ne ganz dumme Frage: Woher kennt man dich nochmal?“, fragt ein gewisser Daniel seine neue Mitbewohnerin Cora. So dumm ist die Frage doch gar nicht, denkt man sich als Zuschauer. Während der ein oder andere Daniel Völz noch als Bachelor 2018 kennt, stellt sich Cora S. als Promi „aus dem Motorsport“ vor. Dass sie vor allem bekannt ist, weil sie die Ex-Frau von Formel-1-Pilot Ralf Schumacher, also einem wirklichen Promi, ist, verschweigt sie lieber. Der Bachelor ist aber bei weitem nicht der einzige, der beim peinlichen „Who is Who“ nicht durchsteigt.


Das Konzept der Show: Zwölf Promis kämpfen zwei Wochen lang jeden Tag live mit- und gegeneinander. Für den Sieger gibt es am Ende 100.000 Euro und einen Pokal. Wie immer leben die Bewohner in zwei Bereichen: die einen in einer Luxus-Villa mit Champagner, Jacuzzi und Co., die anderen direkt nebenan auf einer Baustelle ohne fließend Wasser und Dach, dafür mit Dixi-Klo. Zwischen den Bereichen können die Kandidaten durch gewonnene Duelle in der Live-Show am Abend wechseln. Der komplette Tag wird von Kameras festgehalten, sodass die Zuschauer alles sehen können. Oder vielleicht auch eher müssen.



Die erste Hürde für die Neuankömmlinge klingt simpel. Zwei große Kunststoff-Würfel gleichzeitig auf den Boden werfen, um zu ermitteln, wie viele Gegenstände sie mit in den Container nehmen dürfen. Doch schon daran scheitern die meisten. Die einen schaffen es nicht beide Würfel auf einmal zu würfeln, die anderen wissen nicht mal wann und wohin. Beim Auswählen der Gegenstände folgt dann die nächste Krise. Kaum einer der Kandidaten bekommt es hin, die richtige Anzahl in seinen Jutebeutel zu packen. Ständig muss „Big Brother“ – das alles sehende Auge – ermahnen. Mathe-Nachhilfe würde hier wirklich keinem schaden. Zu Hause auf der Couch kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus – eine Bewegung, die sich im Laufe der Show immer wieder automatisch einstellt. Meinen die das eigentlich ernst? Und die noch viel wichtigere Frage: Woher kennt man die überhaupt nochmal?

Ein kurzer Überblick: Neben Daniel Völz wären da zum einen Bachelorette-Teilnehmer und Mr. Selbstverliebt Johannes Haller, der Schweizer Hellseher Mike Shiva, Zehnkampf-Europameister und Vierer-Schüler in Sozialverhalten Pascal Behrenbruch, Silvia Wollny mit der „schrecklich großen Familie“ sowie „Porno-Youtuberin“ Katja Krasavice. „Früher war ich gerne reiten auf Pferden, heute mach ich das auf Männern“, sagt die in rotes Latex gekleidete Katja, während auf ihrem Haarreif zwei Penis-Nachbildungen wackeln. „Viele Mädels nehmen mich als Vorbild.“ Na hoffentlich sind die schon im Bett.

Mit dabei sind auch DSDS-Gewinner und damit immerhin eine Art Fast-Star Alphonso Williams, Love-Island-Überlebende Chethrin (ja, den Namen schreibt man so) Schulze, die angeblich mal erfolgreiche Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher, Fürst Heinz von irgendwas und Sophia Vegas, die Ex-Frau von „Rotlicht-Bert“ Wollersheim. Apropos Ex: Da gibt es natürlich noch die andere Ex Cora, die aber gar nicht mehr als Ex gesehen werden will. Dafür gibt sie sich in der Show auch alle Mühe. Mit umgedrehter Army-Cap, ripped Jeans, Lederjacke und weiß-orangen Sneaker taucht sie auf dem TV-Bildschirm auf. Dazu eine rosa Zahnspange, zwei mädchenhaft geflochtene blonde Zöpfe und der Hinweis, dass sie sich ab jetzt nur noch „Just Cora“ nennt. Da könnte man bei der inzwischen 41-Jährigen glatt auf die Idee kommen, dass beim Alter einfach die Ziffern durcheinandergeraten sind, so jugendlich und hip wie sie sich gibt. Und mit 14 darf man ja bekanntlich noch gar nicht heiraten und kann somit auch keine Ex sein. Clever!

Clever ist auch, dass sie sich beim Einzug für den schwarzen Weg entscheidet, der in den Luxus-Bereich führt. Den teilt sie sich mit Daniel und Silvia, die ebenfalls erst am Freitagabend eingezogen sind. Die anderen neun Kandidaten hatten nicht die Wahl und schmoren schon seit Tagen auf der Baustelle nebenan. Ihr Lieblingsthema: Sex. Fürst Heinz von Sex hat mit acht Stunden am Tag 17 Kilo abgenommen, Katja schläft auch nur aus Mitleid mit Männern, Mike ist asexuell und Chethrin (nein, das ist wirklich nicht falsch geschrieben) tut es seit eineinhalb Jahren nur noch, wenn sie betrunken ist.

Zum Trinken gibt es auf der Baustelle übrigens nur stilles Wasser aus der Pumpe. Ein unhaltbarer Zustand für Fürst Heinz von Champagner und Energy Drink. „Wasser ist für mich zum Hintern abputzen“, begründet Fürst Heinz von Protz seinen freiwilligen Verzicht, der schnell in seinem Auszug mündet: „Ich fühle mich hier meines Lebens gefährdet.“

Ähnliches geht einem als Zuschauer durch den Kopf, als die dreieinhalb Stunden Sendezeit endlich vorbei sind. Der Nacken tut weh, das durchgängige Kopfschütteln fällt zunehmend schwer. Um Nacken zu schonen, wird SAT.1 in den kommenden zwei Wochen also vielleicht lieber gemieden. Und sowieso wären das zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn so muss man sich eine Sache wenigstens nicht jeden Abend fragen: Woher kennt man die nochmal?