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Polizei tötet Obdachlosen in Los Angeles

Los Angeles. Die Liste tödlicher Polizeigewalt in den USA wird immer länger. Jüngstes Opfer ist ein Obdachloser, der in Kalifornien von mehreren Polizisten am hellichten Tag mit fünf Schüssen niedergestreckt wurde. Agentur

Das Video vom Tod eines Obdachlosen in Los Angeles ist erschütternd. Erst rangeln mehrere Polizisten mit dem Mann. Dann sind Schreie zu hören. Der Mann geht zu Boden. Schließlich fallen fünf Schüsse . Alles geschieht am hellichten Tag. Wenig später gibt die Polizei den Tod des Mannes bekannt. Die Beamten behaupten: Er habe versucht, nach einer Polizeiwaffe zu greifen.

Böse Erinnerungen werden wach. Erst Ende vergangenen Jahres war die Polizei in New York mit großer Brutalität vorgegangen. Da hatte das Opfer laut Polizei illegal Zigaretten verkauft. Ein Beamter nahm den Mann in einen Würgegriff. "Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen", bettelte der an Asthma leidende Mann. Wenig später lag sein Körper leblos auf dem Asphalt.

Die Liste der Polizeiübergriffe lässt sich fortsetzen. Mal sind die Opfer unbewaffnete Jugendliche, mal Kinder, die mit einer Spielzeugwaffe hantieren. Immer wieder geht die Frage um: Sind die US-Polizisten schlichtweg "trigger happy" - haben sie den Finger zu schnell am Abzug?

Der vier Minuten lange Clip eines Augenzeugen, der die Tötung des Obdachlosen in Los Angeles aus erschreckender Nähe dokumentiert, sorgt jedenfalls für Empörung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung auf Facebook überschlagen sich die Reaktionen im Netz. "Schon wieder", schreibt ein Nutzer mit Blick auf die wiederholten Fälle von Polizeigewalt gegen Unbewaffnete. "Das hat mich gerade so wütend gemacht! Unglaublich", kommentiert eine Nutzerin. Nach 16 Stunden im Netz war das Video rund fünf Millionen Mal geklickt. "Wenn vier Polizeibeamte einen unbewaffneten Mann nicht festnehmen können, ohne ihn zu töten, sollten sie vielleicht nicht Polizeibeamte in #Skidrow sein", schreibt eine Userin auf Twitter . Ein Nutzer spricht vom "Mord in #Skidrow".

Die Polizei in Los Angeles versucht seit Jahren, das Problemviertel Skid Row unter Kontrolle zu bekommen. Das im Stadtzentrum nahe dem Hauptbahnhof Union Station gelegene Viertel deckte eine Fläche von rund 50 Häuserblocks ab. Los Angeles , das immer wieder als Obdachlosen-Hauptstadt der USA bezeichnet wird, bekommt die Probleme dort einfach nicht in den Griff. Kriegsveteranen, Menschen mit psychischen Problemen sowie drogenabhängige Männer und Frauen prägen das Bild der Straßen. Bittere Armut, Gewalt und Selbstmord sind an der Tagesordnung.

Nun hat das Video die Aufmerksamkeit erneut auf Skid Row gelenkt. Schnell steigen die Stichwörter "obdachlos" und LAPD - die Abkürzung für die Polizei von Los Angeles - im Ranking der meist diskutierten Themen auf Twitter an der US-Westküste nach ganz oben. "Hört auf, Ausflüchte für Morde zu suchen", schreibt eine Nutzerin zum Vorgehen der Beamten. Die Polizeigewalt müsse endlich ein Ende haben, meint eine andere. "Das ist ungeheuerlich. Wir verwandeln uns in eine Welt ohne Menschlichkeit."