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Tipps von Kommunikationstrainerin
Niederländer lassen sich erklären, wie Deutsche ticken

Eine kleine deutsche und niederländische Flagge liegen auf einem Tisch (Symbolbild).
Eine kleine deutsche und niederländische Flagge liegen auf einem Tisch (Symbolbild). FOTO: Shutterstock.com / emka74
Die Provinzen im Osten der Niederlande wollen mehr deutsche Touristen anlocken. Damit das funktioniert, bekommen die Niederländer jetzt Tipps zum Umgang mit Deutschen von Kommunikationstrainerin Karin Lubs. Wir haben mit ihr gesprochen. Von Susanne Hamann

Wo liegt eigentlich Drenthe? - Wer antworten kann, dass es sich dabei um eine Provinz in den Niederlanden handelt, der ist schon ziemlich gut. Sie liegt übrigens im Osten des Landes und grenzt an Niedersachsen. Drenthe gehört auch zu jenen niederländischen Regionen, die gerne mehr deutsche Touristen anziehen würden. Denn die fahren zwar gerne in das Nachbarland, dann aber meist an Küstenorte wie Scheveningen und Zaandvort oder direkt in die Metropole Amsterdam.


Damit sich das ändert, haben sich die Provinzen Drenthe, Overijssel, Friesland und Gelderland etwas einfallen lassen: Sie nehmen interkulturelles Training für den richtigen Umgang mit Deutschen. „Es gibt ein paar Unterschiede zwischen Niederländern und Deutschen, die gerade beim Thema Urlaub von großer Bedeutung sind“, sagt Karin Lubs. Als Kommunikationstrainerin wurde sie unter anderem von der Provinz Drenthe gebucht, um Hotel- und Restaurantbetreibern zu erklären, was deutsche Gäste im Urlaub schätzen. Lubs ist in Bochum geboren und zog nach einigen Jahren in die Niederlande. „Deshalb kenne und liebe ich beide Seiten“, sagt sie.

Hier ihre Hinweise für eine gelungene niederländisch-deutsche Kommunikation:



  • „Deutsche haben ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Sie wollen wissen, dass alles in Ordnung ist und dass sie sich auf ihre Buchung verlassen können“; sagt Lubs. „Niederländer sind da wesentlich informeller und flexibler.“ In der Praxis bedeutet das: Die meisten Niederländer buchen online und gehen dann davon aus, dass es schon gut gehen wird. „Deutsche rufen für die Buchung von Hotelzimmer oder Ferienwohnung meist an. Und selbst, wenn sie online buchen, rufen sie oftmals trotzdem nochmal an, um sicher zu gehen, dass alles geklappt hat oder um zusätzlich Fragen zu stellen“, sagt Lubs. Spätestens bei der Ankunft hätten Deutsche aber ganz sicher noch einige Fragen zu Zimmer und Hotel und würden die Buchungsbestätigung immer ausgedruckt mitbringen.
  • Gar nicht gut reagieren Deutsche laut Lubs darauf, wenn bei der Ankunft eine Überraschung auf sie wartet. „Deutsche möchten genau das Zimmer oder den Tisch im Restaurant, den sie gebucht haben. Sie schätzen es außerdem, wenn die Rezeption rund um die Uhr besetzt ist“, sagt Lubs. Zuverlässigkeit sei Deutschen sehr wichtig. Der Niederländer denke sich eher, 'wird schon klappen'. „Aber für die meisten Deutschen gehört Improvisation nicht zum Urlaubsgefühl“, sagt Lubs. Darauf müssten sich Niederländer einstellen.
  • Auch der Humor sei so eine Sache. Niederländer hätten oftmals das Vorurteil, Deutsche verstünden keinen Humor. Oftmals liege das jedoch daran, dass Niederländer gerne ironisch seien und die Deutschen das nicht verstehen würden. „Die Niederländer erzählen einem dann mit sehr ernstem Gesicht den größten Quatsch - da ist es nicht immer leicht zu erkennen, wann es Spaß ist und wann Ernst gemeint ist. Ich habe dafür auch Jahre gebraucht“, sagt Lubs.
  • Niederländer duzen sich sehr schnell. „Oftmals melden sie sich schon am Telefon mit dem Vornamen. Dass sich Deutsche sehr lange siezen, wirkt auf Niederländer oft steif, und dann wundern sie sich, wie nett und aufgeschlossen Deutsche im Umgang sind“, sagt Kommunikationstrainerin Lubs.
  • Einer der wichtigsten Unterschiede ist laut Lubs jedoch, dass Deutsche sehr auf Hierarchie und Regeln achten - Niederländer dagegen gar nicht. „Niederländer sind eher anti-autoritär. Das heißt, je schärfer die Regeln sind, umso lieber verstoßen sie dagegen.“ Sichtbar werde das etwa im Museum. „Wenn man eine deutsche Gruppe bei einer Führung sieht, bleiben die Leute zusammen, stellen interessiert Fragen und laufen immer hinter dem Führer her“, sagt Lubs. Niederländer dagegen, suchen sich nach fünf Minuten ihre eigenen Wege durch das Museum, öffnen Türen auf denen steht „Durchgang verboten“ und haben nach kurzer Zeit den Anschluss verloren. „Deshalb rate ich deutschen Gastgebern auch immer, Regeln nicht so sichtbar zu machen. Wenn auf einem Schild ‚Verboten’“ steht, fordert das den Niederländer regelrecht heraus.“ Laut Lubs, sei der Niederländer immer gut gelaunt und fröhlich, merke dabei aber oftmals nicht, wie raumgreifend er sein könne.
  • „Wenn Niederländer schlecht Essen oder eine schlechte Hotelerfahrung machen, dann ist das für sie eine Anekdote auf der nächsten Geburtstagsparty - aber beim Gastgeber beschweren würden sie sich nicht.“ Das sei ein wesentlicher Unterschied zu den Deutschen. „Deutsche geben gerne Feedback, und zwar auch und gerade dann, wenn das Essen nicht geschmeckt hat. Niederländer verstehen das jedoch als Meckern. Deshalb sage ich immer, sie sollten es als Hinweis für eine Verbesserung nehmen, davon haben Gastwirte eigentlich ja nur Vorteile“, sagt Lubs.