| 20:53 Uhr

„Polizeiruf 110: Zehn Rosen“
Düsterer Fall um Serienmörder

 Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) kommen inzwischen besser miteinander klar.
Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) kommen inzwischen besser miteinander klar. FOTO: MDR/Stefan Erhard
Die Magdeburger „Polizeiruf“-Ermittler bekommen es in „Zehn Rosen“ mit einem alten und einem neuen Mord zu tun. Von Christian Sieben

Auf einem Müllplatz liegt die Leiche einer Frau. Um ihre Beine wurde kunstvoll ein Seil geknotet. Die Ermittler Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) fühlen sich an einen alten Fall erinnert. Vor mehreren Jahren wurde Paul Schilling (Alessija Lause) verdächtigt, eine Prostituierte ermordet und ihre Leiche ähnlich drapiert zu haben. Doch damals reichten die Beweise nicht für eine Verurteilung aus. Paul heißt nach einer Geschlechtsumwandlung heute Pauline und führt ein Blumengeschäft. Pauline kannte das neue Opfer und gerät natürlich sofort in Verdacht.


Ihre Beziehung zu einem jungen Sparkassen-Mitarbeiter läuft auch nicht gerade harmonisch. Pauline steht unter großem seelischen Druck. Aber auch für den Ex-Freund der Toten sieht es nicht gut aus. Der junge Mann wohnt allein in einem verwahrlosten Haus, pöbelt ohne Unterlass herum, greift Polizisten an, trinkt rund um die Uhr Bier und mampft Tabletten. Als Brasch im Keller des Abrisshauses dann auch noch ein Verlies findet, scheint der Fall eine überraschende Wende zu nehmen.

Regisseur Torsten Fischer und Autor Wolfgang Stauch ist ein düsterer und über weite Strecken stimmiger Krimi gelungen. Schauspielerisch überzeugen die Magdeburger Fälle seit jeher. Oft nervten jedoch die ständigen Streitereien der beiden Ermittler und die Tatsache, dass Kommissarin Brasch in 90 Minuten nicht ein einziges Lächeln zustande brachte. Stattdessen fuhr sie in länglichen Szenen auf dem Motorrad einsam durch die ostdeutsche Nacht.



Inzwischen können Brasch und Köhler immerhin normal miteinander reden, Brasch fährt einen grauen Mittelklassewagen und hebt gelegentlich die Mundwinkel. Das macht es dem Zuschauer deutlich leichter. Als dann der gemeinsame Boss Lemp (Felix Vörtler) ankündigt, sich versetzen lassen zu wollen, wird in es im kalten Magdeburg sogar richtig menschlich.

Die Rolle von Paul und Pauline wurde mit Alessija Lause glänzend besetzt. Auf der Suche nach einem normalen Leben erfährt sie immer wieder Demütigungen und Zurückweisung. Ihr Schicksal berührt den Zuschauer, ohne dass im Drehbuch zu dick aufgetragen wurde. Zudem überzeugt der „Polizeiruf“ mit trockenen Sprüchen und leisem Humor. Eher misslungen ist leider das Ende. Es kommt zu einem dramatischen Showdown mit Geiselnahme und Sprengstoffgürtel. Brasch setzt ihr Leben aufs Spiel, und auch nach längerem Nachdenken will dem Zuschauer nicht einfallen, was sich die Polizistin in diesem Moment eigentlich gedacht haben könnte.

Den guten Gesamteindruck soll dies aber nicht zu sehr trüben. Mit der neuen Menschlichkeit in Magdeburg könnte es indes schon bald wieder vorbei sein. Für Schauspieler Matschke ist „Zehn Rosen“ der vorletzte Einsatz. Hoffen wir, dass sich Brasch mit ihrem neuen Partner von Anfang an besser versteht und das Motorrad in der Garage bleibt. Vielleicht lacht sie sogar mal richtig. Das muss doch auch in Magdeburg mal möglich sein.

„Polizeiruf 110“, Das Erste, So., 20.15 Uhr