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Nach Untergang der „Grande America“
Frankreich kämpft gegen kilometerlange Ölteppiche vor Atlantik-Küste

 Die „Grande America“ ist am Dienstag gesunken. Seitdem treiben zwei Ölteppiche im Atlantik.
Die „Grande America“ ist am Dienstag gesunken. Seitdem treiben zwei Ölteppiche im Atlantik. FOTO: dpa / Loic Bernardin
Nach dem Schiffsunglück vor der französischen Küste herrscht noch Rätselraten über die Ladung des Frachters. 45 der 365 Container hatten Gefahrgut geladen. Aber keiner weiß, was genau. Von Knut Krohn

Die Westküste von Frankreich ist durch eine Ölkatastrophe bedroht. In der Biskaya treiben nach dem Untergang des Containerschiffes „Grande America“ zwei mehrere Kilometer lange Ölteppiche auf die bei Touristen beliebten Strände rund um Biarritz und Bordeaux zu. Die erste verunreinigte Zone ist offiziellen Angaben nach etwa 13 Kilometer lang und 7 Kilometer breit. Der zweite Teppich sei rund 9 Kilometer lang, ebenfalls 7 Kilometer breit und weniger kompakt als der erste.


Das aus dem Frachter ausgelaufene Schweröl soll nun mit Spezialschiffen abgepumpt werden. Schlechte Witterungsbedingungen und raue See erschwerten allerdings den Kampf gegen die Verschmutzung, so die zuständige französische Präfektur. Zudem könnten schwimmende Absperrungen zum Einsatz kommen, die Schmutz von der Küste fernhalten sollen. Das Schiff hatte rund 2200 Tonnen Schweröl, über 2000 gebrauchte Autos und auch mehrere Container Gefahrgut an Bord. Genaue Angaben, um was es sich dabei handelt, gibt es bisher nicht.

Auch kann noch nicht eingeschätzt werden, wo das Öl angespült werden könnte, heißt es von der Präfektur. Umweltminister François de Rugy nannte als gefährdete Regionen das Département Charente-Maritime mit der Hafenstadt La Rochelle und das Département Gironde, in dessen Mitte Bordeaux liegt. Er schloss nicht aus, dass das Öl auch an die spanische Biskaya-Küste gelangen könnte.



Der unter italienischer Flagge fahrende Frachter „Grande America“ war am Dienstag nach einem tagelangen Brand untergegangen. Alle 27 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Das Wrack liegt in rund 4500 Metern Tiefe auf dem Grund des Meeres. Das Ziel des Schiffes, das am 8. März in Hamburg ausgelaufen war, hieß Casablanca.

Der Umweltorganisation Robin Wood bereitet Sorgen, dass nun viele Giftstoffe mit dem Schiff untergegangen sind. Allein die vielen Hundert Autos seien eine ökologische Zeitbombe. „Man kann davon ausgehen, dass sich in jedem Fahrzeug zwanzig Liter Benzin und Öl befinden“, erkläre Jacky Bonnemain, Sprecher der Gruppe. Das sei eine „toxische Masse in einem Gebiet, das sehr reich an Fischen, Plankton und Meeressäugern ist“.

Völlig unverständlich für Robin Wood ist, dass noch nicht bekannt ist, um welche Stoffe es sich bei dem Gefahrgut handelt. Von der zuständigen Präfektur ist nur zu erfahren, dass 45 der 365 Container an Bord damit beladen seien. „Man weiß aber, dass sehr viele Pestizide nach Westafrika verschifft werden“, sagt Jacky Bonnemain. Man habe die Reederei angefragt, aber noch keine Antwort erhalten.

Der Unfall sei nach den Worten des Umweltministers nicht mit der Havarie der „Erika“ zu vergleichen. Vor 20 Jahren liefen an der bretonischen Küste nach dem Unfall des Schiffes rund 17.000 Tonnen Öl ins Meer. Die Folge war eine verheerende Ölpest an den Stränden.